Panorama

Riesenandrang auf Probanden-PlätzeSchweinegrippe-Impftest gestartet

10.08.2009, 17:14 Uhr

Mehrere Kliniken in Deutschland haben mit den Tests für einen Impfstoff gegen das Schweinegrippe-Virus begonnen. In Hamburg haben sich hunderte Freiwllige gemeldet, um an der Studie teilzunehmen - wahrscheinlich bekommen nicht alle den Immpfschutz, den sie sich erhoffen .

Seit heute wird der neue Impfstoff an der Bernhard-Nocht-Ambulanz des Universitäts-Klinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) geprüft - als Teil einer weltweiten Studie. Die Tests seien nun in ganz Deutschland angelaufen, berichtete der Leiter der Hamburger Impfstudie, Prof. Gerd-Dieter Burchard. So auch in Bayern, etwa am Klinikum der Universität München oder am Juliusspital in Würzburg. "Die Ergebnisse werden im Spätherbst vorliegen", kündigte Burchard an. Davon hänge ab, ob der Schweinegrippe-Impfstoff in Deutschland zugelassen wird.

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Auch in anderen Ländern wird getestet: eine belgische Krankenschwester injiziert einem Probanden in Antwerpen einen Impfstoff. (Foto: REUTERS)

Der Ablauf der Untersuchung ist einheitlich: Die - gesunden - Teilnehmer werden geimpft und müssen nach der Spritze laut Burchard etwa eine Stunde zur Beobachtung in der Klinik bleiben. In drei Wochen steht dann die zweite Impfung an. Nach 45 Tagen wird das Blut der Probanden untersucht. "Es wird erstens geguckt, ob der Impfstoff gut verträglich ist, und zweitens, ob er wirksam ist - ob sich Antikörper gegen das Virus gebildet haben", erklärte Burchard. In einem Jahr gibt es eine sogenannte Auffrischimpfung.

Die Freiwilligen müssen alle Symptome aufschreiben, die sie an sich beobachten. "Auch wenn sie sich den Fuß verknackst haben, müssen sie das melden", betonte Burchard. Falls ungewöhnliche Nebenwirkungen auftreten, seien die Mediziner Tag und Nacht für die Teilnehmer erreichbar. Der Lohn des Aufwands: Für die Fahrkosten gibt es eine Aufwandsentschädigung - und möglicherweise eben einen Schutz gegen die Schweinegrippe. Wie viele Teilnehmer an der Impfstudie in Hamburg mitmachen können, steht derzeit noch nicht fest. Das hänge davon ab, wie viele Menschen in den anderen Zentren getestet werden.

Keine gravierenden Nebenwirkungen erwartet

Burchard rechnet damit, dass der Impfstoff zu "lokalen Rötungen" an der Einstichstelle oder zu leichten grippeähnlichen Symptomen führen kann - "aber darüber hinaus nichts". Es sei ein riesiger Vorteil, dass der neue Impfstoff mit den bisherigen Impfstoffen gegen die saisonale Grippe "absolut vergleichbar" sei. Und der werde schließlich jedes Jahr millionenfach verabreicht. "Wir gehen berechtigterweise davon aus, dass der neue Impfstoff gut verträglich und wirksam sein wird", sagte der Mediziner. "Gleichwohl muss man das beweisen."

Und was sind das für Menschen, die sich freiwillig für die Schweinegrippe-Studie melden? "Wir haben durch die Bank weg Interessierte", berichtete Cramer. Die Teilnehmer seien meist jünger, viele seien in den 20ern und 30ern, manche aber auch im Rentenalter. Weil die Medien so viel über die neue Influenza berichtet hätten, "gab es kaum einen, der nicht informiert war". Die beiden Wissenschaftler betonen aber immer wieder, dass die H1N1-Studie genauso ablaufe wie Tests anderer Impfstoffe oder Medikamente.

Im Vorfeld der Studie gab es vor allem eins: Streit. Streit darüber, wer die Kosten für die spätere Impfung trägt. Und auch Streit über den Impfstoff selbst. Es gebe aber absolut keine Hinweise dafür, dass die Impfung gegen Schweinegrippe Krebs auslösen könnte, widersprach Burchard Politikeraussagen. Aus Sicht des Mediziners sollte man abwarten, wie viele Menschen deutschland- und weltweit im Spätherbst erkrankt sind - "und dann entscheiden, ob man impft, wen man impft, oder ob man eventuell nicht impft".

Zehntausende Tote in USA erwartet

US-Gesundheitsexperten fürchten derweil, dass im Herbst Zehntausende Amerikaner an Schweinegrippe sterben werden. Der Verlauf der Krankheit in den kommenden Monaten könnte schlimmer ausfallen als bei einer normalen herbstlichen Grippewelle, die in den USA im Durchschnitt 36.000 Menschen das Leben kostet. Grund sei, dass die H1N1-Virusvariante der Schweinegrippe neu sei und die Menschen noch keine Immunität dagegen entwickeln konnten, berichtete die "Washington Post". "Diese Epidemie wird sich schneller als normalerweise ausbreiten, weil die Bevölkerung anfälliger ist", zitiert das Blatt Prof. Marc Lipsitch von der Havard School for Public Health.

Quelle: dpa