Panorama

Fast 1500 Fälle in DeutschlandSchweinegrippe oft "Mitbringsel"

20.07.2009, 17:23 Uhr

635 Schweinegrippe-Erkrankungen wurden in den letzten Tagen registriert. Der rasche Anstieg der Zahl ist auf eine Umstellung des Meldeverfahrens und die Urlaubssaison zurückzuführen.

2lcc3221-jpg262529779302251902
Urlauber tummeln sich am berühmten Strandabschnitt Ballermann. Die Schweinegrippe bereitet den Verantwortlichen auf Mallorca zunehmend Kopfzerbrechen. Es gibt bereits einen ersten Todesfall. (Foto: ZBSP)

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat in Deutschland 1469 Fälle von Schweinegrippe registriert. Ein vergleichsweise hoher Anteil der neuen Fälle sei durch Reiserückkehrer insbesondere aus Spanien verursacht worden, Institut. Der rasche Anstieg um 635 Fälle innerhalb weniger Tage könne aber zusätzlich an einer Umstellung des Meldesystems liegen. Das RKI nimmt nun auch Fälle ohne Labordiagnose auf, wenn die Menschen Kontakt zu Erkrankten hatten. "In der Regel sind die Erkrankungen in Deutschland nach wie vor mild verlaufen."

Auch nach Angaben der Universitätsklinik Düsseldorf ist die Schweinegrippe immer häufiger ein unliebsames Urlaubsmitbringsel. "Sonnenbrand und Alkohol schwächen die Immunabwehr", warnten Mediziner der Klinik. Dies sei "keine neue Erkenntnis, wird aber im Zusammenhang mit den Influenza-Infektionen häufig vergessen", betonte Prof. Dieter Häussinger. Auch durch enge Kontakte mit vielen Menschen im Urlaub verbreite sich das Virus derzeit deutlich schneller als zu Anfang der Ansteckungswelle. Am vergangenen Wochenende habe die Uni-Klinik in 23 Tests Schweinegrippe nachgewiesen, 22 der Erkrankten seien aus dem Spanien-Urlaub gekommen. Nordrhein-Westfalen hat mit 522 Erkrankten mit Abstand die meisten der registrierten Fälle unter allen Bundesländern.

Erstes Todesopfer in Ägypten

In Ägypten ist erstmals ein Mensch an der Schweinegrippe gestorben. Die 25-jährige Frau war von einer Wallfahrt aus Mekka zurückgekehrt. Sie erlag nun der Krankheit. In Ägypten wurden bisher rund 130 Erkrankungen verzeichnet - die weltlichen Behörden in Ägypten und anderen Ländern befürchten aber eine massive Ausbreitung des Virus durch die Wallfahrten nach Mekka. Religiöse Stellen spielen das Gefährdungspotenzial herunter.

schweinegrippe2
In Ägypten gab es bisher rund 130 gemeldete Erkrankungen - nun ist dort der erste Mensch an dem Virus gestorben. (Archivbild) (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Zur großen muslimischen Wallfahrt nach Mekka, der "Hadsch", die in diesem Jahr im November stattfindet, werden Millionen Menschen erwartet. Die kleine Pilgerfahrt ("Umrah") kann jederzeit unternommen werden. Viele Muslime, die dieses Jahr die Wallfahrt planen, sind verunsichert; die auf islamische Pilgerreisen spezialisierten Reisebüros sollen schon einen Rückgang der Buchungszahlen festgestellt haben.

Quarantäne für Studenten in China

schweinegrippe1
China ergreift aus Angst vor einer Epidemie strenge Maßnahmen gegen die Schweinegrippe. (Archivbild) (Foto: picture-alliance/ dpa)

Auch in China ist die Besorgnis nach wie vor groß. Aus Angst vor dem Erreger haben die chinesischen Behörden fast 200 ausländische Studenten unter Quarantäne gestellt. Es handele sich um Studenten aus Großbritannien und den USA, teilten am Montag die britische Botschaft und ein US-Lehrer in Peking mit. Zehn Studenten seien positiv auf das A (H1N1)-Virus getestet und in Krankenhäuser eingewiesen worden. Laut britischer Botschaft sind von der Quarantäne 107 Studenten aus dem Königreich betroffen. Hinzu kommen 71 US-Studenten, die ebenfalls ihre Hotelzimmer nicht verlassen dürfen.

China will mit aller Macht eine Schweinegrippe-Epidemie vermeiden und ergreift deshalb strenge Maßnahmen. So gibt es an den Flughäfen Temperaturmessungen bei ankommenden Passagieren, jeder möglicherweise Infizierte wird sofort isoliert. Bisher trat das A (H1N1)-Virus offiziellen Angaben zufolge in dem Riesenreich in gut 1500 Fällen auf, Todesfälle gab es noch keine.

Quelle: AFP/dpa