Panorama

Tsunami-Alarm aufgehobenSchwere Zerstörungen in Chile

28.02.2010, 14:16 Uhr

In Chile wird das Ausmaß des schweren Bebens und der anschließenden Flutwelle nach und nach sichtbar. Auch im Landesinnern werden große Städte fast vollständig zerstört. Die Regierung gibt die aktuelle Opferzahl mit 700 an.

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Japaner warten auf die große Welle. (Foto: AP)

Nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Chile sind die befürchteten Riesenwellen im Pazifik ausgeblieben. Das Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii hob alle Warnungen für den pazifischen Raum auf. Dagegen hatten die Wassermassen in Chile das vom Erdbeben angerichtete Elend noch verschlimmert. In der Stadt Talcahuano wurden selbst größere Schiffe bis ins Stadtzentrum geschwemmt, im Hafen lagen riesige Seecontainer wie Streichhölzer durcheinander. "Das Wasser hat alles, aber auch alles fortgerissen", sagte ein Überlebender aus dem kleinen Küstenort Boyecura. Auf der chilenischen Insel Robinson Crusoe, rund 670 Kilometer westlich von Südamerika, wurden fast alle Gebäude zerstört.

In Japan hatten die Behörden aus Furcht vor einem Tsunami etwa 320.000 Bewohner an der gesamten Pazifikküste aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Es war das erste Mal seit mehr als 15 Jahren, dass die nationale Meteorologische Behörde eine Warnung vor einem größeren Tsunami ausgab.

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Australier baden in Todesverachtung. (Foto: dpa)

An der australischen Ostküste waren die Strände von Brisbane bis Sydney zwar offiziell geschlossen worden, doch ignorierten das tausende Schaulustige. An den Stränden Bondi und Coogee in Sydney waren sogar Schwimmer und Surfer im Wasser. "Wir können Empfehlungen aussprechen, aber wir können den Leute nicht befehlen, vom Strand zu gehen", sagte Bill Measday, Chef der Lebensretter am Bondi-Strand.

Drama in Concepción

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Das Haus kippte zur Seite. (Foto: AP)

In der chilenischen Hafenstadt Concepción sind unter den Trümmern eines Hochhauses mindestens 100 Menschen verschüttet. Das teilte die Bürgermeisterin Jacqueline van Rysselberghe mit. Ein Gebäude mit 14 Etagen war in Concepción zusammengebrochen. Das Küstengebiet rings um die 400.000-Einwohner-Stadt Concepción gehört zu den am schlimmsten betroffenen Regionen. Dort leben rund zwei Millionen Menschen.

Auch das Landesinnere verwüstet

Auch die 1743 gegründete Stadt Curicó im Zentrum des Landes wurde besonders hart getroffen. Im historischen Zentrum der 100.000-Einwohner-Stadt blieb fast kein Stein auf dem anderen. "Etwa 90 Prozent der Altstadt sind dem Erdboden gleich, das heißt 60 Prozent von Curicó insgesamt", berichtete ein Lokalfunksender Uno.

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Der chilenische Küstenort Duchato wurde nach dem Beben von einem Tsunami heimgesucht und liegt in Trümmern. (Foto: REUTERS)

Noch schlimmer sieht es in den südwestlich gelegenen Küstengebieten der Region Maule aus. Nach dem Erdbeben der Stärke 8,8 vor der chilenischen Pazifikküste brach am Samstagmorgen eine 2,3 Meter hohe Flutwelle über die 250 Kilometer von Curicó entfernte Hafenstadt Talcahuano herein. Die Wassermassen spülten einen Trawler auf den Stadtplatz, auch kleinere Schiffe und Fischerboote wurden in die Stadt geschleudert.

Im näher an Curicó gelegenen Badeort Yloca richtete die Flutwelle verheerende Schäden an. "Der Ozean flutete die Häuser. Die Menschen rannten um ihr Leben in höher gelegene Gebiete", beschreibt der örtliche Zivilschutz die Katastrophe. Ortschaften wie Yloca sind in der derzeitigen Sommersaison vollgepackt mit Touristen. Landesweit wurden mehr als 700 Tote amtlich bestätigt. Doch die Behörden sind sich sicher, dass die Totenzahl noch steigen wird.

Hilfe aus aller Welt

Chile erhielt sofort nach dem Beben Hilfsangebote aus aller Welt. US-Präsident Barack Obama und die spanische EU-Präsidentschaft boten Hilfe bei den Rettungsarbeiten und beim Wiederaufbau an. Die EU gab drei Millionen Euro an Soforthilfen frei. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon drückte sein Bedauern über die Naturkatastrophe aus. Nach Angaben Westerwelles sollte umgehend ein Erkundungsteam des Technischen Hilfswerks nach Chile aufbrechen.

Allerdings rief Chiles Außenminister Fernandez dazu auf, zunächst die Bestandsaufnahme des Katastrophenschutzes abzuwarten: "Jede Hilfe, die ankommt, ohne wirklich gebraucht zu werden, hilft ehrlich gesagt nur wenig."

Quelle: ppo/dpa/rts/AFP