"Hoffen und Beten"Sorge um Familie aus Pullach
Mit jeder Stunde, die vergeht, schwindet auch ein Stück Hoffnung. Eine Familie aus Pullach ist vermutlich unter den Opfern des Flugzeugunglücks von Madrid.
Mit jeder Stunde, die vergeht, schwindet auch ein Stück Hoffnung. Eine Familie aus Pullach bei München ist vermutlich unter den Opfern des Flugzeugunglücks von Madrid. Die Eltern und ihre beiden Söhne wollten mit dem Unglücksflieger auf die Ferieninsel Gran Canaria. Unklar ist aber noch immer, ob die Familie aus der 9000-Einwohner-Gemeinde wirklich in der Maschine saß - bisher haben sich die vier aber nicht in der Heimat gemeldet. Bei dem Unglück starben am Mittwoch 153 Menschen. 19 Fluggäste überlebten mit schweren Verletzungen.
"Wir sind alle sehr betroffen von der Meldung und hoffen und beten, dass das Schlimmste nicht eintreten möge", sagt der Pullacher Bürgermeister Jürgen Westenthanner (CSU). "Wir können bisher nur bestätigen, dass die Familie, die auf der Passagierliste des verunglückten Flugzeugs genannt ist, auch in Pullach wohnhaft ist."
Vor dem weißen Haus mit den blaugrauen Fensterläden, in dem auch die Großeltern wohnen, hatten sich am Donnerstag bereits etliche Reporter und Kamerateams versammelt. Helfer schirmten die Angehörigen ab. "Wir wissen, dass die Großeltern betreut sind und zunächst unter sich bleiben möchten", sagt Westenthanner. "Wir werden der Familie natürlich jede mögliche Hilfe anbieten - schnellstmöglich und unbürokratisch."
Fest steht bisher, dass die 38 Jahre alte Mutter, der 50-jährige Vater und ihre beiden Jungen - von denen einer schulpflichtig ist - am Mittwoch für den Flug nach Gran Canaria eincheckte. Ein Lufthansa- Sprecher bestätigte dies, betonte aber, es stehe nicht mit letzter Sicherheit fest, dass die vier Pullacher auch an Bord waren. Die McDonnell Douglas MD-82 war unter den Flugnummern JK 5022 und LH 2554 registriert. Die spanische Gesellschaft Spanair gehörte wie die Lufthansa zum Airline-Verbund Star Alliance. Die Maschine sollte am Mittwoch um 13.00 Uhr starten, nach einer Überprüfung wegen technischer Probleme wurde der erste Start verschoben. Dann raste das Flugzeug beim zweiten Startversuch gegen 14.45 Uhr über die Landebahn hinaus und ging in Flammen auf.
Spezialisten des Bundeskriminalamtes (BKA) sollen bei der Identifizierung der Opfer helfen und sind unterwegs nach Spanien. Polizeibeamte waren bereits im Haus der Familie in Pullach, um DNA sicherzustellen, die nun im Landeskriminalamt (LKA) ausgewertet wird. Der elektronisch erfasste Code wird dann nach Spanien weitergeleitet.
Wann für Angehörige und Freunde endlich Klarheit herrschen wird, ist vorerst jedoch nicht absehbar. Bis Samstag hoffen die Experten, das DNA-Material soweit vorbereitet zu haben, dass es nach Spanien weitergegeben werden kann. Dort sei die weitere Arbeit Sache der spanischen Behörden, sagte LKA-Sprecher Ludwig Waldinger. Nach Angaben des Roten Kreuzes in Madrid wird sich die Identifizierung der Opfer insgesamt über mehrere Tage hinziehen.
Sabine Dobel, dpa