Neuseelands Südinsel wackeltStarke Nachbeben in Christchurch

Die zu einem Fünftel zerstörte Stadt Christchurch in Neuseeland kommt nicht zur Ruhe. Nachbeben beschädigen instabil gewordene Gebäude. Premier Key sagt eine Reise nach Schottland ab.
Schwere Nachbeben erschüttern weiter die neuseeländische Stadt Christchurch. Mehr als ein Dutzend Nachbeben wurden dem Überwachungszentrum GeoNet zufolge in der Nacht zum Dienstag gezählt, zwei davon erreichten die Stärke 5,4. Im Stadtzentrum kehrte dennoch Schritt für Schritt Normalität ein, das Geschäftsviertel wurde wieder geöffnet - nur die Schulen der Region sollten für den Rest der Woche geschlossen bleiben.
Bürgermeister Bob Parker sagte, die Nachbeben hätten bereits instabil gewordene Gebäude in der 340.000-Einwohner-Stadt weiter beschädigt. Die Behörden mussten 70 Menschen umquartieren, die nach dem Hauptbeben in einer nun als nicht mehr sicher geltenden Schule untergebracht worden waren. Es müsse für den Verlauf der gesamten Woche mit Nachbeben von bis zu 6,0 gerechnet werden, warnte das Zivilschutzministerium.
Christchurch und Umgebung waren am Samstag von einem Beben der Stärke 7,0 erschüttert worden. Einige Gebäude stürzten ein. Mehrere Menschen wurden verletzt, Todesopfer waren aber nicht zu beklagen. Es war das schwerste Beben in Neuseeland seit 80 Jahren, rund 20 Prozent der Bauten wurde zerstört. Weite Teile des Zentrums von Christchurch mussten gesperrt werden, weil herabstürzendes Mauerwerk und Glasscherben die Menschen gefährdeten.
Ältestes Hochhaus wird abgerissen
Das Zivilschutzministerium teilte unterdessen mit, die Stromversorgung funktioniere wieder, auch seien Straßen- und Eisenbahnverbindungen intakt. Die Polizei warnte, trotz der Freigabe von Gebäuden und Straßenzügen sollten die Menschen wachsam sein "und der Sicherheit den Vorrang geben, wenn sie Gebäude oder zuvor abgesperrtes Gebiet betreten". Anwohner der betroffenen Stadtteile sollten weiterhin ihr Wasser abkochen, das wegen beschädigter Kanalisationsrohre verseucht sein könnte.
Durch das Beben wurden 100.000 Gebäude beschädigt, der Stadtrat kündigte an, einige müssten abgerissen werden. Darunter ist auch ein siebenstöckiges Bürogebäude von 1906, das älteste Hochhaus der Stadt. In einer östlichen Vorstadt wurden Häftlinge aus einem Gefängnis in Sicherheit gebracht, weil das Beben die Wasserversorgung der Feuerlöschanlage beschädigt hatte.
Bier-Nachschub nicht gesichert
Auch die Bierlieferungen einer der größten Brauereien des Landes waren lahmgelegt. Die Lion Nathan Brauerei teilte am Dienstag mit, ein Lagerhaus in Christchurch sei stark beschädigt, die Vorräte an Bier, Wein und Spirituosen zerstört worden. Das Unternehmen versorgt die gesamte Südinsel Neuseelands mit Bier und produziert auch internationale Marken wie Becks, Guinness und Kilkenny.
Premierminister John Key sagte ein Treffen mit der britischen Königin Elizabeth II. am kommenden Samstag in Schottland ab. Er wolle in Neuseeland bleiben, um seine Solidarität mit den Bürgern von Christchurch zu zeigen, sagte er.