Panorama

"Wir haben die Wende geschafft""Static kill" weckt Hoffnung

04.08.2010, 21:05 Uhr

Die US-Regierung nimmt die Nachricht von der Versiegelung des Öl-Lecks im Golf von Mexiko erleichtert auf. Präsident Obama spricht von einer "willkommenen Neuigkeit". Schon keimt Hoffnung auf ein Ende der Ölpest auf - die langfristigen Folgen der Katastrophe sind jedoch längst nicht absehbar.

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Der Screenshot zeigt ein Videobild der Arbeiten am abgedichteten Bohrloch. (Foto: dpa)

Die zunächst erfolgreiche Verstopfung des lecken Bohrlochs im Golf von Mexiko mit Schlamm lässt die Zuversicht wachsen, dass die seit mehr als drei Monaten andauernde Ölpest beendet werden kann. Der britische Energiekonzern BP erklärte, der in das Bohrloch gepumpte Schlamm halte dem enormen Öldruck stand. US-Präsident Barack Obama bezeichnete die Fortschritte als eine "willkommene Neuigkeit".

Das "gewünschte Ergebnis" der "static kill" genannten Methode zur endgültigen Schließung der Quelle sei erreicht, erklärte BP. Der Konzern sprach von einem "bedeutenden Meilenstein" im Kampf gegen die Folgen des größten Ölunfalls der Geschichte. BP hatte zuvor acht Stunden lang Schlamm in das Bohrloch gepresst. In einem zweiten Schritt soll auf demselben Weg Zement in das Loch gepumpt werden.

Anschließend soll die Versiegelungsmethode "bottom kill" zum Zuge kommen: Dabei wird durch eine seitliche Entlastungbohrung auch am unteren Ende der Bohrleitung Schlamm und Zement eingefüllt. Mit dem "bottom kill" will BP Mitte August beginnen. BP betonte, die Entlastungsbohrung bleibe "die endgültige Lösung", um das Bohrloch zu verschließen.

Obama begrüßt Fortschritte

Nach dem Erfolg herrschte in Washington Erleichterung, wenngleich vorsichtige Worte überwogen: Einen "Sieg" will die Regierung erst dann verkünden, wenn das Bohrloch auch von unten, das heißt mit Hilfe eines gebohrten Nebenzugangs, verschlossen worden ist. "Das ist der Anfang vom Ende der Versiegelung", sagte Robert Gibbs, Sprecher von Obama.

Obama selbst äußerte sich positiv zu einem Bericht von Wissenschaftlern, wonach drei Viertel des ausgeströmten Öls im Meer bislang "beseitigt" werden konnten. Obamas Energieberaterin Carol Browner hatte dem Sender ABC zuvor gesagt, dass 75 Prozent des ausgelaufenen Öls aufgefangen, verbrannt oder zersetzt worden seien: "Wir glauben, wir haben die Wende geschafft". Dies sei eine "erste Bewertung" durch Wissenschaftler "innerhalb und außerhalb der Regierung". Browner erwartet zwar, dass noch einiges Öl in Form von Teerbällen an die Küste geschwemmt wird. "Aber das wird gereinigt und entsorgt."

Dass vorerst kein Öl mehr in den Golf von Mexiko ströme, stimme die Behörden "sehr optimistisch", sagte der Krisenbeauftragte der Regierung, Thad Allen. Die Leiterin der Behörde für Ozean- und Klimaforschung (NOAA), Jane Lubchenco sagte, die US-Regierung sei angesichts der langfristigen Schädigung der Umwelt dennoch weiterhin beunruhigt. Es gebe allerdings Anzeichen dafür, dass das Öl schnell abgebaut werde.

BP drohen Milliarden-Forderungen

Nach der Explosion der Plattform "Deepwater Horizon" am 20. April waren aus dem lecken Bohrloch nach jüngsten US-Behördenangaben rund 780 Millionen Liter (4,9 Millionen Barrel) Rohöl ausgelaufen. Damit ist das Unglück der größte Ölunfall der Geschichte.

BP droht wegen der Umweltkatastrophe eine Entschädigungsforderung der US-Regierung in Höhe von 17,6 Milliarden Dollar (gut 13 Milliarden Euro). Nach einer Studie der Columbia-Universität gaben 40 Prozent von 1200 befragten Bewohnern in US-Bundesstaaten am Golf von Mexiko an, sie seien direkt von der Ölpest betroffen. Ein Fünftel erklärte, ihre Kinder hätten gesundheitliche oder psychische Probleme durch die Umweltkatastrophe - diese reichten von Atemproblemen bis zu Angstzuständen und Schlaflosigkeit.

Quelle: AFP/dpa