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Besuche in Erotikbar: Strafen im GEZ-Korruptionsskandal

Ein Mann der GEZ lässt sich von einer Wuppertaler Computerfirma in eine Erotikbar einladen und erteilt der Computerfirma lukrative Aufträge für die GEZ. Das Wuppertaler Amtsgericht spricht von Korruption und verhängt zum Teil drastische Strafen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Korruptionsskandal in der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) in Köln ist mit Geld- und Bewährungsstrafen geahndet worden. Das Wuppertaler Amtsgericht verhängte gegen drei von fünf Beschuldigten Strafen wegen Vorteilsannahme oder -gewährung. In zwei Fällen stellte es das Verfahren gegen Zahlung von 3000 und 40.000 Euro ein. Die GEZ zieht die Rundfunkgebühren für die öffentlich-rechtlichen Sender ein.

Ein GEZ-Mitarbeiter hatte sich von einer Wuppertaler Computer-Firma Besuche der erotischen Kölner "Kokett"-Bar, von Spitzenrestaurants sowie der VIP-Loge bei einem Fußball-Länderspiel bezahlen lassen. Die GEZ hatte der Firma wiederum Aufträge für Computeranlagen mit sechsstelligem Volumen erteilt.

Einen Schaden stellte das Gericht allerdings nicht fest. Der 51-jährige, ehemals bei der GEZ für das Beschaffungswesen zuständige Mitarbeiter wurde zu 7200 Euro Geldstrafe verurteilt. Das Verfahren gegen seinen Kollegen, der über die Aufträge mitentschieden hatte, wurde gegen Zahlung von 3000 Euro eingestellt.

Der 58-jährige Vertriebsleiter der Computerfirma wurde wegen Vorteilsgewährung zu neun Monaten Haft auf Bewährung und Zahlung von 50.000 Euro an gemeinnützige Vereine verurteilt. Sein Chef, der die feuchtfröhlichen Ausgaben als Spesen abgezeichnet hatte, muss 40.000 Euro zahlen.

Anzeige erfolgt anonym

Die Ermittlungen waren durch eine detaillierte anonyme Anzeige in Gang gekommen. Daraufhin hatte die Staatsanwaltschaft eine Durchsuchungsaktion gestartet und war "auf einige sehr interessante Dokumente" gestoßen. Nicht nur bei der GEZ, auch bei einer Düsseldorfer Versicherung wurden die Ermittler fündig. Auch gegen den für das Beschaffungswesen zuständigen Mitarbeiter der Versicherung war Anklage erhoben worden. Der Vorsitzende eines Reitvereins hatte einen 500.000-Euro-Auftrag unterzeichnet, nachdem 12.000 Euro als Spende an seinen Verein geflossen waren. Er muss nun 14.400 Euro Strafe zahlen.

In einer schriftlichen Stellungnahme zu den Vorwürfen hatte sich die GEZ von den Machenschaften ihrer "ehemaligen Mitarbeiter" distanziert. Dem für den Einkauf verantwortlichen Mitarbeiter war fristlos gekündigt worden. Der zweite GEZ-Mitarbeiter war zum Zeitpunkt der Ermittlungen bereits im Ruhestand.

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Quelle: n-tv.de

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