Mittwoch, 10. September 2008
Mehdorns symbolische Geste: Streit um Fahrscheinkauf
Nach heftigen Protesten gegen eine neue Gebühr von 2,50 Euro beim Fahrscheinkauf am Schalter nimmt die Bahn symbolisch einige Kunden davon aus. Bahnchef Hartmut Mehdorn kündigte in Berlin an, den Zuschlag nicht von Bahncard-Besitzern ab 60 Jahren zu kassieren. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) reicht dieser Schritt nicht aus. Er forderte von Mehdorn den Verzicht auf die Schaltergebühr, die von 14. Dezember an beim Kauf von Fahrscheinen für Fernzüge (ICE und Intercity) verlangt wird. Sie verstoße gegen die Bedürfnisse älterer Menschen, unabhängig davon, ob sie eine Senioren-Bahncard hätten, argumentierte Tiefensee.
Nur symbolische Ausnahmen
Mehdorn hatte zuvor Änderungen an den ursprünglichen Plänen bekanntgegeben. Wer eine Senioren-Bahncard mit 50 Prozent Rabatt besitzt, die es ab einem Alter von 60 Jahren gibt, brauche den Zuschlag nun nicht zu zahlen. Vorgesehen sei eine solche Ausnahme auch für eine neue Senioren-Bahncard mit 25 Prozent Ermäßigung, die Anfang 2009 eingeführt werde. Verschont bleiben sollen zudem Menschen mit einem Behinderungsgrad ab 50 Prozent, bisher war dies erst von 70 Prozent an vorgesehen.
Auch Rentner können das
Mehdorn verteidigte den Zuschlag grundsätzlich als unvermeidlich, um den Schalterdienst in den Reisezentren auf dem jetzigen Niveau aufrechtzuerhalten. Viele ältere Menschen seien durchaus in der Lage, ihre Fahrscheine ohne Zuschlag über das Internet zu kaufen oder eben den neuen Automaten, die jetzt auch viel leichter zu bedienen seien als früher. Verkehrs- und Fahrgastverbände sowie Politiker bezeichneten den Zuschlag als "Abzocke" kritisiert und seine Rücknahme gefordert.
Rücknahme gefordert
Der Sozialverband Deutschland und der Wohlfahrtsverband Volkssolidarität drangen wie Tiefensee auf einen Verzicht. "Gerade ältere und behinderte Menschen sind auf den Fahrkartenkauf am Schalter angewiesen. Ältere Menschen haben oft gar keinen Zugang zum Internet und kommen mit den komplizierten Fahrkartenautomaten nicht zurecht", sagte Sozialverbandspräsident Adolf Bauer.
Fahrpreise steigen auch
Zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember erhöht die Bahn auch ihre Preise um durchschnittlich 3,9 Prozent. Mehdorn nannte die Anhebung bei einer Veranstaltung in Berlin "sehr kommod" angesichts stark gestiegener Energiekosten und auch im Vergleich zu den Mehrausgaben, die Autofahrer leisten müssten. "Die Deutschen fahren billig Bahn - das ist eindeutig so", sagte der Bahnchef. In Frankreich und Großbritannien zahlten Bahnfahrer deutlich mehr.
Nächste Preiserhöhung kommt
Zum Zeitpunkt der nächsten Preiserhöhung merkte Mehdorn an: "Ich schließe nicht aus, dass wir im Jahr 2009 im Dezember wieder vor der gleichen Frage stehen."
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