Donnerstag, 16. Oktober 2008
Logisches Denken fällt schwer: Studie über Börsenmakler
Börsenmakler tun sich einer Studie zufolge mit logischem Denken schwer. Vielmehr lassen sie sich bei ihren Entscheidungen von Erfahrungen leiten und ziehen bisweilen falsche Schlüsse. Dies fanden Psychologen um Prof. Markus Knauff von der Universität Gießen heraus. Börsenmaklern fällt es demnach schwer, sich bei ihren Entscheidungen von bestehenden Denkmustern zu lösen, auch wenn sie unlogisch sind. Für die Studie waren 20 Börsenmakler befragt worden, von denen einige seit mehr als zehn Jahren für große Unternehmen an der Frankfurter Börse tätig sind.
Schwierigkeiten beim logischen Denken machten sich bei den Maklern besonders bemerkbar, wenn sie aufgefordert wurden, ihre Entscheidungen nur logisch zu treffen, also unabhängig davon, ob sie mit ihren Erfahrungen übereinstimmen. Hier zogen Börsianer den Studienergebnissen nach sehr viele falsche Schlüsse und brauchten für ihre Entscheidungen viel länger. "Bei den Börsenmaklern kam es hier zu Konflikten zwischen Logik und Erfahrung, aber immer schlug die Erfahrung bei der Entscheidung durch, und die Regeln der Logik wurden oft ausgeblendet", sagte Prof. Knauff von der Abteilung Allgemeine Psychologie und Kognitionsforschung. "Sie waren dann sogar schlechter als eine Vergleichsgruppe von 20 Versuchspersonen, die über gar keine Erfahrungen an der Börse verfügten."
In der aktuellen Diskussion über die Ursachen der Finanzmarktkrise werden laut Knauff die psychologischen Faktoren kaum berücksichtigt. Sie beeinflussten aber - wie die Studie beweise - das Handeln der Akteure entscheidend. "Die psychologischen Faktoren schränken unsere logischen Fähigkeiten ein und machen es schwer, alle Konsequenzen von Finanzentscheidungen vorherzusehen", sagte Knauff. Psychologische Befunde könnten aber dazu beitragen, die Denkmuster von Managern nachvollziehbar zu machen, und in der Zukunft helfen, Entscheidungsfehler zu vermeiden.
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