Panorama

Amoklauf in Ansbach: Hass auf SchuleTäter wollte nicht mehr leben

21.09.2009, 13:22 Uhr
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(Foto: AP)

Die Staatsanwaltschaft teilt erste Ermittlungsstände zum Amoklauf in Ansbach mit. Der 18-jährige Schüler habe aus Hass gegen die Schule gehandelt; sein Ziel sei gewesen, möglichst viele Schüler und Lehrer zu töten. Er selbst wollte die Tat offenbar nicht überleben.

Nach dem Amoklauf im bayrischen Ansbach gibt es erste Erkenntnisse zum Motiv des Täters. Wie die Staatsanwaltschaft in Ansbach mitteilte, habe der Täter aus Hass gegen "die Menschheit im Allgemeinen", vor allem aber aus Hass gegen die Institution Schule gehandelt. Dies ergebe sich aus Dokumenten auf dem Computer des 18-Jährigen. Nach Angaben der Oberstaatsanwältin Gudrun Lehnberger weist der Schüler darin auch ausdrücklich darauf hin, dass er seine Eltern nicht für die Tat verantwortlich macht, sondern allein die Schule. Bei der Tat trug er offenbar ein T-Shirt mit der Aufschrift "Made in School", um darauf hinzuweisen.

Der ermittelnde Staatsanwalt Jürgen Krach äußerte sich zum Stand der Ermittlungen und sagte, dass man nach den bisherigen Untersuchungen nicht davon ausgehen könne, dass der Täter besonders durch andere ähnliche Taten motiviert worden sei. In den Aufschriften des Jugendlichen fände sich lediglich ein Hinweis, in dem der Täter den Amoklauf in Erfurt als "Möglichkeit, die ihn vielleicht beeinflusst hat", erwähnt. Gewaltvideos oder -spiele seien bisher keine sichergestellt worden.

Das Ziel des Täters sei nach dessen Niederschriften gewesen, möglichst viele Schüler und Lehrer zu töten. Auch sein eigener Tod sei mit eingeplant gewesen; er habe damit gerechnet, von der Polizei getötet zu werden.

Nicht mehr im Koma

Vier Tage nach seiner Tat ist der 18-jährige Täter unterdessen aus dem künstlichen Koma erwacht. Er habe aber noch nicht vernommen werden können, so die Staatsanwaltschaft. Auch der Haftbefehl konnte ihm noch nicht eröffnet werden. Von der Vernehmung des Gymnasiasten erhoffen sich die Ermittler Hinweise auf das Motiv seines Amoklaufs am vergangenen Donnerstag an seiner eigenen Schule, dem Gymnasium Carolinum in Ansbach. Der Täter hatte einen Lehrer und neun Schüler teils schwer verletzt, ehe ihn die Polizei mit fünf Schüssen stoppen konnte. Dabei wurde er schwer verletzt.

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Am Carolinum-Gymnasium versucht man, zum Schulalltag zu zurückzufinden. (Foto: AP)

Derweil versucht man am Carolinum-Gymnasium, zum normalen Schulbetrieb zurückzukehren. Mehr als 300 der insgesamt 700 Schüler seien gekommen, um am Unterricht teilzunehmen oder mit Schulpsychologen zu sprechen. "Es hat in allen Klassen Unterricht stattgefunden. Ich nehme an, dass dabei auch über das schlimme Ereignis gesprochen wurde", sagte Schulleiter Franz Stark.

Klassenraum wird umgestaltet

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In der St. Johannis-Kirche in Ansbach. (Foto: dpa)

Am vergangenen Donnerstag war ein 18 Jahre alter Mitschüler in die Schule gestürmt und hatte mit einer Axt und Molotow-Cocktails einen Lehrer sowie neun Schüler verletzt, zwei davon schwer. Der von fünf Schüssen aus einer Polizeipistole verletzte Täter liegt in einer Klinik. Gegen ihn wurde Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen.

Der Klassenraum der 10b, in den Georg R. einen Molotow-Cocktail geworfen hatte, sei noch gesperrt, sagte Stark. Zwar sei das Zimmer am Wochenende gereinigt worden. "Es soll aber umgestaltet werden." Hierbei wolle die Schule auch Vorschläge der Schüler berücksichtigen, erklärte der Schulleiter.

Kritik an Medien

Derweil haben 30 Schüler des Gymnasiums die Arbeit mancher Medien kritisiert: "Schüler, die die furchtbaren Ereignisse an ihrer Schule gerade zu verarbeiten beginnen, werden durch Telefonanrufe von privaten Fernsehsendern in der Hoffnung auf spektakuläre Informationen ohne Rücksicht auf ihren seelischen Zustand belästigt", hieß es in einer Erklärung der Elftklässler. Die Erklärung wurde von der in Ansbach erscheinenden "Fränkischen Landeszeitung" veröffentlicht.

Tränen in der Kirche

Rund 1000 Menschen hatten am Sonntag bei einem ökumenischen Gottesdienst in der Ansbacher St. Johannis-Kirche der zehn Opfer des Amoklaufs an dem örtlichen Gymnasium Carolinum gedacht. Für die beiden schwer verletzten Mädchen, die Lehrer und Schüler sowie die Familie des Amokläufers entzündeten Teilnehmer des Gedenkgottesdienstes Kerzen.

Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sprach den Betroffenen im Namen der bayerischen Staatsregierung sein Mitgefühl aus und zollte Lehrern und Helfern seinen Respekt. Dem Schulleiter Franz Stark spendeten die versammelten Schüler, Lehrer, Eltern und Helfer zum Zeichen ihrer Solidarität spontanen Beifall.

Schüler des Gymnasiums waren in Gruppen in die Kirche gekommen, dabei wichen sie den vor der St. Johannis-Kirche wartenden zahlreichen Fernsehteams bewusst aus. In der Kirche rückten sie still zusammen - viele vergossen Tränen.

Quelle: fma/dpa