Schreckliches ErdbebenTausende Tote auf Java
Ein verheerendes Erdbeben hat auf der indonesischen Hauptinsel Java mehr als 3.000 Menschen das Leben gekostet und tausende weitere verletzt.
Ein verheerendes Erdbeben hat auf der indonesischen Hauptinsel Java mehr als 3.000 Menschen das Leben gekostet und tausende weitere verletzt. Ersten Schätzungen zufolge ließ der Erdstoß am Samstag tausende Häuser und Unterkünfte einstürzen.
Krankenhäuser in der Region waren mit der großen Zahl von Verletzten hoffnungslos überfordert. Das Beben hatte nach indonesischen Angaben eine Stärke von 5,9. Die US-Erdbebenwarte sprach von 6,2. Das Epizentrum des Erdstoßes lag nur ungefähr 30 Kilometer von der Großstadt Yogyakarta entfernt im Meer.
Nach Angaben einer Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin gibt es bislang keine Hinweise auf Deutsche unter den Opfern. Man sei aber in ständigem Kontakt mit der deutschen Botschaft in Jakarta. Ein in Indonesien lebender Franzose wurde bei dem Beben verletzt.
Zahl der Opfer könnte weiter steigen
Die Hilfskräfte befürchteten, dass die Zahl der Opfer noch weiter steigen könnte. "Leichen und Überlebende sind noch immer unter den Trümmern begraben", sagte Fajar Haryono vom staatlichen Katastrophenzentrum in Yogyakarta. Den Angaben des Zentrums zufolge kamen allein in der etwa 500.000 Einwohner zählenden Stadt mindestens 2.350 Menschen ums Leben. Aus der Umgebung meldeten örtliche Behörden darüber hinaus noch einmal fast 650 Tote.
Der Erdstoß hatte die am dichtesten besiedelte Insel Indonesiens um kurz vor 6.00 Uhr Ortszeit erschüttert. Überall im Katastrophengebiet lagen Trümmerteile eingestürzter Häuser, darunter zerquetschte Autowracks. Mancherorts wurden Leichen zunächst an Straßenrändern deponiert, wie Augenzeugen berichteten. Der Flughafen von Yogyakarta wurde wegen Rissen in der Rollbahn geschlossen.
Die Krankenhäuser waren angesichts des Ansturms von Verletzten völlig überlastet. Es könnten nicht alle sofort behandelt werden, hieß es. Opfer müssten auf dem Fußboden liegen, während sie auf Hilfe warteten. Andere wurden auf dem Parkplatz einer Klinik oder auf freiem Feld versorgt. Die Verletzten wurden auf Motorrädern, in dreirädrigen Tuk-Tuks und mit Pferdekarren transportiert.
Krankenhaus eingestürzt
In Yogyakarta stürzte nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ein Krankenhaus ein. Manche Stadtteile seien bis zu 80 Prozent zerstört, hieß es. Das DRK, die Aktion Deutschland Hilft, die Diakonie und zahlreiche andere Hilfsorganisationen riefen zu Spenden auf. Malteser Hilfsdienst, Caritas und andere, die seit dem Tsunami Ende 2004 in Indonesien aktiv sind, entsandten Mitarbeiter ins Erdbebengebiet.
Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono trieb Hilfskräfte und Behörden zur Eile an. Vorrangig sei zunächst die medizinische Behandlung der Überlebenden und sie dann in Sicherheit zu bringen, sagte er bei einem Besuch der Katastrophenregion.
Angst vor Tsunami löst Panik aus
Der Erdstoß hatte am Morgen zunächst Panik unter der Bevölkerung ausgelöst, weil viele einen Tsunami fürchteten. Zu einer solchen Flutwelle kam es aber nicht. Yogyakarta, eines der wichtigsten kulturellen Zentren Javas, liegt in der Nähe des Vulkans Merapi, der in jüngster Zeit seine Aktivität deutlich verstärkt hatte. "Es ist nicht auszuschließen, dass ein Zusammenhang mit dem Beben besteht", sagte Erdbebenexperte Jochen Zschau vom Potsdamer Geoforschungszentrum.
Weltweite Bestürzung
Papst Benedikt XVI. betete für Erdbebenopfer. Er sei von der Katastrophe "tief betrübt", schrieb der Kirchenführer, der derzeit auf einer Reise in Polen ist, in einem in Rom veröffentlichten Telegramm. Auch Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel brachten Betroffenheit und Mitgefühl zum Ausdruck. Köhler schrieb an seinen Amtskollegen Yudhoyono, er verfolge die Meldungen über das Ausmaß des Erdbebens mit großer Bestürzung.
Hilfe ist angelaufen
Das DRK, das 13 deutsche Mitarbeiter im Land hat, will ein mobiles Krankenhaus mit 200 Betten aus der Provinz Aceh im Norden in die Erdbebenregion bringen. Die Caritas hat ein internationales Nothilfeteam vom Vulkan Merapi abgezogen, der Malteser Hilfsdienst hat Mitarbeiter von der Nachbarinsel Sumatra nach Java geschickt. Die indonesischen Partner der Diakonie Katastrophenhilfe schickten ein Team in die Erdbebenregion, die Diakonie stellte 50.000 Euro Soforthilfe zur Verfügung. Unicef bringt 2.000 Zelte und andere Hilfsgüter dorthin, Cap Anamur, HELP und humedica entsenden Teams aus Ärzten und Sanitätern. Misereor gab 100.000 Euro Soforthilfe frei.
Indonesien wird wegen seiner Lage in einer seismisch äußerst aktiven Zone, dem so genannten Ring aus Feuer, jedes Jahr von hunderten von Erdbeben heimgesucht. Die meisten von ihnen richten jedoch keine größeren Schäden an. Bei einem Erdbeben der Stärke 9,0 und einer nachfolgenden Flutwelle wurden am zweiten Weihnachtsfeiertag 2004 jedoch schätzungsweise knapp 170.000 Menschen in der indonesischen Provinz Aceh an der Nordspitze Sumatras getötet. Rund um den Indischen Ozean kostete die Katastrophe etwa 225.000 Menschen das Leben.