"Im Stil einer Hinrichtung"Tragödie in US-Schule
Bei einer Schießerei an einer Schule im US-Bundesstaat Pennsylvania hat ein 32-jähriger Mann vier Schülerinnen getötet. Anschließend erschoss sich der Täter.
Ein 32-jähriger Mann hat am Montag im US-Bundesstaat Pennsylvania eine Dorfschule überfallen und vier Mädchen getötet. Sieben weitere Schülerinnen der von der Amischen-Religionsgemeinschaft betriebenen Schule wurden verletzt und befanden sich nach Berichten des US-Senders CNN in der Nacht zum Dienstag noch in kritischem Zustand. Der Mann wollte nach Angaben der Polizei offenbar aus Rache gezielt Mädchen töten. Bevor er auf seine weiblichen Opfer im Alter zwischen sechs und 13 Jahren schoss, habe er deren männlichen Schulkameraden aus dem Klassenraum geschickt. Nach der Tat erschoss sich der Mann selbst.
Wie die Polizei mitteilte, war der 32-jährige Lastwagenfahrer, der als Charles Carl Roberts identifiziert wurde, mit drei Schusswaffen, einem Elektroschocker und zwei Messern bewaffnet in die Schule in der Gemeinde Nickel Mines eingedrungen. Er habe die Mädchen der Klasse vor der Schultafel aufgereiht, sie an den Füßen gefesselt und "im Stil einer Hinrichtung" auf sie geschossen, berichtete ein Polizeisprecher. Drei Mädchen waren sofort tot, ein viertes starb später im Krankenhaus. Vor der Tat hatte Roberts, selbst Vater von drei Kindern, in einem Telefonat mit seiner Frau gesagt, er wolle sich für etwas rächen, das sich vor 20 Jahren ereignet habe.
Längere Belagerung
Nach Angaben der Polizei ließen die Zahl der Waffen, die Menge der Munition und weitere mitgeführte Gegenstände darauf schließen, dass sich der Täter ursprünglich auf eine längere Belagerung eingestellt hatte. In der Schule werden Kinder verschiedener Altersstufen zusammen in einem Klassenraum unterrichtet.
Die Polizei äußerte die Befürchtung, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen könnte. Der Zustand von mindestens einem durch einen Kopfschuss verletzten Mädchen sei "äußerst kritisch". Sie werde nur noch künstlich am Leben erhalten. Es müsse schon ein Wunder geschehen, um nicht noch mehr Menschenleben zu verlieren, sagte Polizeichef Jeffrey Miller der Sender CNN.
Die Gemeinde Nickel Mines liegt etwa 85 Kilometer von Philadelphia entfernt im Amischen-Land. Die Amischen sind eine christliche Religionsbewegung und lehnen die Benutzung fast aller modernen Technik wie Fernsehen und Telefon ab. Generell schotten sie sich aus religiösen Gründen weitgehend von der Gesellschaft ab. Die meisten Amischen sprechen einen deutschen Dialekt.
Erst vor wenigen Tagen war ein Schuldirektor im US-Bundesstaat Wisconsin von einem Schüler erschossen worden, der sich gemobbt fühlte. In Colorado tötete ein Mann in einer High School eine Schülerin, nachdem er zuvor sechs Mädchen sexuell angegriffen hatte.
Bush sucht Lösungen
Nach der Tat sucht Präsident George W. Bush nun nach Wegen, derartige Vorfälle in Zukunft zu verhindern. Bush habe Justizminister Alberto Gonzales und Bildungsministerin Margaret Spellings angewiesen, Vertreter aus den Strafverfolgungsbehörden und dem Bildungsbereich an einen Tisch zu bringen, sagte US-Präsidialamtssprecherin Dana Perino am Montag in Washington. Dabei solle erörtert werden, wie Bundesmittel eingesetzt werden könnten, um Schulen sicherer zu machen und um den von Gewalttaten betroffenen Gemeinden zu helfen.
Für die kommende Woche sei eine Konferenz geplant, an der etwa FBI, Lehrer- und Elternvertretungen teilnähmen. "Es bricht das kollektive Herz Amerikas, wenn unschuldige Kinder, die zum Lernen in der Schule sind, als Geiseln genommen und niedergeschossen werden", sagte Perino. Bush sei zu zutiefst erschüttert über die jüngsten Schießvorfälle an Schulen.