Erfolgsmeldung vom BohrlochUS-Regierung traut BP nicht
In bis zu zehn Tagen will BP das Leck im Golf von Mexiko abgedichtet haben. Die US-Regierung ist skeptisch. Die von dem Ölkonzern als Erfolg verkaufte Technik sei "keine Lösung für das Problem". Unterdessen entdecken Wissenschaftler riesige Ölschwaden im Meer.
Der Ölkonzern BP hat sich nach ersten Fortschritten im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko optimistisch gezeigt, das Leck binnen einer Woche schließen zu können. Das Unternehmen meldete, ein System zum Absaugen des seit fast vier Wochen ins Meer strömenden Öls sei erfolgreich getestet worden. Es sei gelungen, ein Rohr in das schadhafte Bohrloch einzuführen und Öl und Gas abzusaugen. Zwar werde das ausströmende Öl nicht vollständig abgesaugt. Dennoch gelinge es, die Substanzen in einen Schiffstank zu leiten.
Die US-Regierung zeigte sich skeptisch. "Diese Technik ist keine Lösung für das Problem und es ist nicht klar, wie erfolgreich es sein kann", erklärten Heimatschutzministerin Janet Napolitano und Innenminister Ken Salazar. Die "Tests" von BP würden weiter beobachtet.
BP-Vizechef Kent Wells konnte nicht sagen, wie viel Öl und Gas mit dieser Methode aus dem Bohrloch am Meeresboden abgesaugt werden kann. "Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, wie viel Prozent es sein werden", sagte er. In einer Mitteilung von BP hieß es, das Öl, das durch das gut anderthalb Kilometer lange zehn Zentimeter dicke Rohr abgepumpt werde, sei auf dem Schiff "Discoverer Enterprise" gelagert und das Erdgas an Bord kontrolliert abgefackelt worden.
Unterwasser-Ölschwaden entdeckt
Im Golf von Mexiko fließen seit der Explosion auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April Unmengen von Öl ins Meer. Nach Schätzungen von BP sind es 800.000 Liter täglich, es könnte jedoch auch weitaus mehr sein.
Am Wochenende hatte das Unternehmen auch damit begonnen, das Öl direkt am Leck mit Chemikalien zu zersetzen. Diese Methode ist hoch umstritten; das Öl sinkt damit zu Boden. Umweltschützer werfen BP vor, das Problem lediglich "unter den Teppich" zu kehren.
In der kommenden Woche wollen Experten dann versuchen, das größere der beiden Lecks mit Gummi- und Faser-Müll zu stopfen und zuzubetonieren. Wells bezeichnet die Methode als "Top Kill". Dies könne bis zu zehn Tagen dauern. BP hofft, dass eine der Übergangslösungen funktionieren wird, bis ein Entlastungsbohrloch zur Verringerung des Ölflusses fertiggestellt ist. Dies wird noch mindestens zwei Monate dauern.
Unterdessen entdeckten US-Wissenschaftler riesige Unterwasser-Ölschwaden. Diese seien bis zu 16 Kilometer lang, sechs Kilometer breit und hätten eine Höhe von rund 100 Meter. Der Sauerstoffgehalt in der Nähe der Ölschwaden liege bereits rund 30 Prozent unter den Normalwerten, dies könnte sich zu einer Gefahr für Meerestiere auswachsen.