Chaos im europäischen FlugverkehrVereinzelt weiße Weihnacht

Der Nordosten darf sich die größten Hoffnungen auf weiße Weihnachten machen. Im Rest des Landes werden die Schneefälle wohl in Regen übergehen. Durch Absagen, Verspätungen und Schließungen ganzer Flughäfen sitzen derweil tausende Passagiere in ganz Europa fest.
Betroffen waren unter anderem die Airports in Frankfurt, Mailand, Amsterdam und London. Auch der Berliner Flughafen Tegel wurde wegen Blitzeis vorübergehend geschlossen. Der Zug Eurostar nahm derweil nach einer Pannenserie im Ärmelkanal-Tunnel einen reduzierten Betrieb zwischen Frankreich und England auf. Ebenso wie im Flugverkehr gab es jedoch einen enormen Rückstau bei den ungeduldigen Passagieren.
Deutschland zeigte sich beim Blick aufs Thermometer zweigeteilt: Während im Südwesten Temperaturen von bis zu 13 Grad gemessen wurden, blieb es im Nordosten mit bis zu minus vier Grad weiter frostig. Dort stehen auch die Chancen für eine Weiße Weihnacht besonders hoch. Wetter extrem hieß es in Freiburg. Dort stieg die Temperatur innerhalb von zweieinhalb Tagen um 34 Grad Celsius.
Schnee, Regen, Matsch
Zwei Tage vor Heiligabend ist jedoch immer noch unklar, wo genau es festlich weiß wird. Bei Höchsttemperaturen zwischen minus zwei und plus vier Grad ziehen Wolken von Westen nach Deutschland und bringen Schnee, aber auch Schneeregen oder Regen. "Es wird wohl nur am Anfang in der Ecke Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland schneien, später dann aber regnen", sagte Marcus Beyer, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. "Die östlichen Gebiete wie Mecklenburg-Vorpommern werden erst am Abend erreicht." Bis dahin bleibt es dort trocken und sonnig.
Am Mittwoch sorgen Ausläufer des über Polen liegenden Tiefs "Werner" noch für Schnee und Schneeregen im Südosten, während sich im Rest des Landes ein Zwischenhoch breitmacht. Bei Temperaturen bis zu minus sechs Grad in der Nacht zum Heiligen Abend bleibt es meist wolkig. Am Donnerstag zieht dann im Laufe des Tages das noch unbenannte Tief mit seinen Niederschlägen von Frankreich heran. In der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag am Freitag sinken die Temperaturen unter die Null-Grad-Marke. Tagsüber fällt vor allem im Südosten noch Schnee oder Schneeregen. Auch am zweiten Weihnachtsfeiertag kann es vereinzelt schneien oder regnen, sagen die Meteorologen voraus.
Etwa 250 Flüge in Frankfurt abgesagt
Auf Deutschlands größter Luftverkehrs-Drehscheibe in Frankfurt blieben 8000 Menschen in der Nacht zu Dienstag durch eine wetterbedingte mehrstündige Airport-Schließung stecken. Allein die Lufthansa hatte rund 250 Flüge abgesagt. Empörte Passagiere äußerten Unmut und Frust. Mehr als 3000 Passagiere verbrachten die Nacht auf dem Frankfurter Flughafen, nachdem die zugeschneiten Pisten gesperrt worden waren. Helfer stellten rund 1000 Feldbetten auf. Etliche Passagiere mussten in startbereiten Flugzeugen ausharren.
Weitere 5000 Flugreisende wurden in umliegende Hotels untergebracht. Auch nach Öffnung der Startbahnen am Dienstagmorgen hielten Behinderungen an. Betroffen seien Ziele in der ganzen Welt, sagte ein Flughafensprecher. Bis zu einstündige Verspätungen und Flugabsagen gab es auch am Flughafen Hamburg.
Entspannung in Österreich, Tschechien, Spanien
Schnee und Eis plagten auch Flughäfen in Großbritannien. Der Billigflieger Easyjet strich am Airport Luton (bei London) bis zum Mittag alle Verbindungen. In Italien saßen mehr als 1000 Passagiere fest. Die Mailänder Flughäfen Malpensa und Linate mussten zeitweise geschlossen werden, auf den Autobahnen der Emilia-Romagna kamen Autofahrer kaum noch voran. In Mailand sind 800 Soldaten eingesetzt, um dort dem Schnee-Notstand zu begegnen.
Entspannung gab es dagegen in Belgien, Österreich, Tschechien, Bulgarien und vor allem in Spanien, wo die Kältefront bereits abgezogen ist. Der Schnee, der noch am Montag den Madrider Flughafen teilweise blockiert und zur Absage von mehr als 300 Flügen geführt hatte, war inzwischen geschmolzen. Im Flugverkehr gab es eine Normalisierung.
Schienenverkehr normalisiert sich
Der Zugverkehr in Deutschland normalisierte sich ebenfalls weitgehend. "Mit den steigenden Temperaturen entspannt sich auch die Betriebslage", sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn in Berlin. Wegen des Winterwetters gebe es auf manchen Verbindungen noch kleinere Verspätungen, und "es kann auch mal ein einzelner Zug ausfallen". Insgesamt rollten die Züge aber problemlos. Der am Boden gefrierende Regen, der in einigen Teilen Deutschlands auftrat, beeinträchtige den Bahnverkehr in der Regel nicht. "Für Schienenfahrzeuge ist das halb so wild", sagte der Sprecher.
In Deutschland sorgten zudem trotz regional einsetzender milderer Temperaturen erneut eisglatte Straßen für zahlreiche Unfälle. In Niedersachsen war die Autobahn 7 zwischen Hildesheim und dem Kreuz Hannover-Süd vorübergehend nach dem Unfall zweier Lastwagen gesperrt. Der bayerisch-tschechische Grenzübergang Waidhaus wurde in der Nacht wegen eines Unfalls zeitweise gesperrt.
Erste Wasserstraßen gesperrt
Im deutsch-polnischen Grenzraum wurden derweil die ersten Wasserstraßen für die Schifffahrt gesperrt. Das Treibeis auf der Oder hat sich an einer Stelle bei Widuchowa - nördlich vom brandenburgischen Schwedt - zusammengeschoben und zu einer ersten sogenannten Eisversetzung geführt. Ein Einsatz der deutschen Eisbrecher sei aber vorerst nicht nötig, sagte ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Eberswalde. "Es kann sein, dass das Eis von allein wegschwimmt." Das Amt steht in engem Kontakt mit den polnischen Behörden, deren Eisbrecher in Stettin (Szczecin) liegen. Die deutsche Eisbrecherflotte wartet in Hohensaaten. Ein Eisbrecher machte jedoch den Weg auf dem Oder-Havel-Kanal Richtung Oranienburg frei, weil ein havariertes Schubschiff dorthin unterwegs ist.
Einen besonderen Rekord vermeldete der ADAC. Am Montag - dem astronomischen und kalendarischen Winteranfang mit dem kürzesten Tag des Jahres - ging dort alle drei Sekunden ein Notruf ein. Mit 28.654 Einsätzen der "Gelben Engel" wurde der bisherige Rekord von 25.386 Pannenhilfen vom 7. Januar 2009 übertroffen. 90 Prozent der Hilfesuchenden hatten demnach Startprobleme durch schwache Batterien.