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Mittwoch, 30. Mai 2007

Weniger Zuwanderung: Viele Deutsche gehen

2006 haben so viele Deutsche ihrer Heimat den Rücken gekehrt wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Die Zahl der Auswanderer stieg auf 155.000, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das waren 10.000 oder sieben Prozent mehr als 2005. Beliebteste Zielländer waren erneut die Schweiz, USA und Österreich. 2005 hatte dieser so genannte Wanderungsverlust 17.000 betragen, im vorigen Jahr aber 52.000. Die Gründe der Abwanderung erheben die Statistiker nicht. Bei den Deutschen wird auch nicht unterschieden, ob es gebürtige Bundesbürger, Spätaussiedler oder Eingebürgerte sind.

Demgegenüber hat sich die Zuwanderung nach Deutschland deutlich abgeschwächt. Das gilt sowohl für Ausländer als auch für Spätaussiedler. Rund 662.000 Menschen sind 2006 insgesamt nach Deutschland gezogen, gleichzeitig haben 639.000 ihren Wohnsitz ins Ausland verlegt. Das Zuwanderungsplus ist damit gegenüber 2005 um 71 Prozent gesunken, nach 4 Prozent im Vorjahr. Zum zweiten Mal zogen mehr Deutsche weg als zu.

Wegen des drohenden Mangels an Fachkräften sprach sich das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) für eine leichtere Zuwanderung qualifizierter Ausländer aus. "Ich weiß, dass sich die Bundesregierung mit dem Thema schwer tut, aber ich halte eine weitere Öffnung des Arbeitsmarktes für unvermeidlich", sagte IW-Direktor Michael Hüther dem Unternehmermagazin "ProFirma". Der Fachkräftemangel in gewerblichen Berufen habe zur Folge, dass Betriebe nicht weiter expandieren könnten. Die aktuell 50.000 unbesetzten Ingenieursstellen hätten einen direkten Wertschöpfungsverlust von 3,5 Milliarden Euro zur Folge.

Auch das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit befürwortet die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte. Der Zuzug von Hochqualifizierten begünstige Innovationen, hieß es in einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). "Das Wissen und die Fähigkeiten von Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund ergänzen sich bei Forschung und Entwicklung", sagte IAB-Forscherin Annekatrin Niebuhr. Deutschland könne wie andere Einwanderungsländer nicht unerheblich von der Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte profitieren.

Ost-West-Wanderung bleibt stark

Das Gros der deutschen Abwanderer stammte aus den alten Bundesländern und Berlin: Ins Ausland zog es im vorigen Jahr allein 143.000 Deutsche aus den alten Bundesländern und Berlin. Dagegen suchten nur 12.000 Einwohner aus Ostdeutschland ihr Glück in fremden Gefilden. Gleichzeitig zogen 136.000 Personen aus den neuen in die alten Bundesländer. 82.000 wählten die umgekehrte Richtung. "Damit blieb die Wanderung von Ost- nach Westdeutschland nahezu konstant", hieß es. Die West-Ost-Wanderung schwächte sich dagegen ab.

Unter dem Strich verloren die neuen Länder damit 54.000 Einwohner durch Abwanderung in den Westen. Auch wegen dieses Trends wird die Bevölkerung Ostdeutschlands einer Prognose der Statistiker zufolge bis 2050 mehr als doppelt so schnell schrumpfen wie im Westen. Dann dürften nur noch 9,1 Millionen Menschen im Osten (ohne Berlin) leben, knapp ein Drittel weniger als derzeit. Für Westdeutschland wird ein Minus von 14 Prozent auf 54,4 Millionen erwartet.


Weniger Zuwanderer aus dem Ausland

558.000 Ausländer sind 2006 nach Deutschland gezogen, vier Prozent weniger als im Vorjahr. "Damit setzte sich die seit 2001 anhaltende Tendenz einer rückläufigen Zuwanderung fort", so das Statistische Bundesamt. Mit 103.000 Zuzügen (minus 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr) setzte sich der rückläufige Trend bei den Spätaussiedlern und anderen Rückkehrern ebenfalls fort.

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