Inzest-VerbrechenVorleben von Josef F. im Visier
Die österreichische Polizei geht nicht davon aus, dass der Inzest-Täter Josef F. einen Mitwisser in seiner unmittelbaren Umgebung gehabt haben muss. "100 Prozent sicher kann man aber nicht sein", sagte der Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Polzer.
Nach der Aufdeckung des Inzest-Falls in Amstetten gerät nun auch das Vorleben des Tatverdächtigen Josef F. ins Blickfeld. Die österreichische Polizei prüft einen ungeklärten Sexualmord aus dem Jahr 1986. Es gebe aber noch keine Hinweise auf einen Zusammenhang, sagte der Polizeichef von Oberösterreich, Alois Lissl. Josef F. könne aber zu der Zeit am Tatort gewesen sein.
Laut Lissl wurde vor 22 Jahren die Leiche einer jungen Frau am oberösterreichischen Mondsee gefunden, wo die Frau von Josef F. einen Teil eines Campingplatzes sowie eine Gaststätte betrieben habe. F. werde gefragt, ob er ein Alibi für die Tatzeit habe, sagte Lissl. Laut einem Bericht der österreichischen Nachrichtenagentur APA fanden damals Taucher die in Plastikplanen eingewickelte Leiche eines 17-jährigen Mädchens am Ufer des Sees im Salzkammergut.
Am Mondsee ist F. vor Jahren wegen des Verdachts der Brandstiftung kurzfristig in Haft gewesen, wie Gerhard Neuhuber von der Polizeiinspektion Unterach sagte. 1974 und 1982 habe es auf den dortigen Liegenschaften F.'s Brände gegeben, in beiden Fällen habe sich der Verdacht der Brandstiftung nicht erhärten lassen. "1982 war F. kurzfristig in Haft wegen des Verdachts der Brandstiftung", sagte Neuhuber.
Sexualtat in den 60ern?
Unterdessen bestätigten die Behörde Medienberichte zunächst nicht, wonach F. wegen einer Sexualtat in den 60er Jahren vorbestraft sei. Das Vorleben des heute 73-Jährigen werde untersucht. Dies werde mit Nachdruck geschehen, könne aber dauern, sagte der Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Franz Polzer. Es gebe keinen Grund, ihn als Hauptverdächtigen für einen zurückliegenden Mord zu betrachten, sagte Polzer.
Zuletzt wurde den Angaben zufolge im Jahr 1994 anlässlich eines Adoptionsverfahrens ein Strafregisterauszug bestellt. Zu dem Zeitpunkt sei F. unbescholten gewesen, hieß es. Mögliche Vorstrafen könnten aber gelöscht sein. Eine Frau aus Linz warf F. in den "Oberösterreichischen Nachrichten" vor, er habe sie 1967 vergewaltigt. Es habe auch ein Gerichtsverfahren gegeben. Verteidiger Rudolf Mayer konnte dazu vorerst keine Stellungnahme abgeben.
Wohl keine Mittäter
Weitere Spekulationen gab es auch über mögliche Mittäter von Josef F. Die Behörden wiesen dies aber erneut zurück. Selbst die 300 Kilogramm schwere Stahltür, mit dem das Verlies verschlossen war, könne er selbst eingebaut haben, sagte Polzer. Nach Angaben des Landeskriminalamts zeigen zudem DNA-Tests, dass außer F. und den Eingesperrten niemand das Verlies betreten hat.
Josef F. hatte den Eingang zu dem Verlies so gut versteckt, dass es selbst bei einer Heizkessel-Kontrolle vor neun Jahren verborgen blieb. Der Keller sei so weit verzweigt, dass ein Auffinden der versteckten Eingangstüre ohne Vorwissen nur schwer möglich gewesen wäre, sagte Polzer. Man habe fünf Räume passieren müssen, bis man auf die zudem hinter einem Regal versteckte Stahltür stieß.
In dieser Woche kein Verhör mehr
Josef F., der ein umfassendes Geständnis abgelegt hat, werde in dieser Woche nicht mehr verhört, teilte die Staatsanwaltschaft St. Pölten mit. Nach Angaben der Nachrichtenagentur APA ist eine Befragung des 73-Jährigen erst wieder in der kommenden Woche geplant. Sein Verteidiger sagte, er habe seinem in Untersuchungshaft sitzendem Mandanten geraten, vorläufig keine Aussage mehr zu machen.
"Geschlossenes Inzest-System"
Der Fall in Amstetten zeigt aus Sicht der Stuttgarter Opferinitiative Melina alle Merkmale eines geschlossenen Inzest-Systems. "Der Täter will Kontrolle und Macht über andere, wobei er sich gezielt Schwächere aussucht", sagte die Vereinsvorsitzende Ulrike Dierkes. Der Inzest erzeuge ein geschlossenes System der Kommunikation und des Handelns, in dem den Opfern die Außenwelt als schlecht dargestellt werde. "Dazu ist gar kein Verlies notwendig."
Sehr spezielle Beziehungen
Der aus Amstetten stammende Psychotherapeut Paulus Hochgatterer sagte der "Frankfurter Rundschau", es sei nach wie vor unklar, ob F. außer seiner Tochter Elisabeth auch die gemeinsamen Kinder vergewaltigt habe. Die Experten könnten noch nichts darüber sagen, wie die Beziehungen der Opfer aus dem Keller zueinander aussehen.
"Klar ist, dass die Beziehungen untereinander die einzigen sind, die es gegeben hat - abgesehen von der zum Täter. Das bedeutet, dass diese Beziehungen ungeheuer wichtig gewesen sein müssen. Die Mutter hatte nur die Beziehungen zu ihren Kindern und zum Täter. Ich vermute, dass die Beziehung zu ihren Kindern sie am Leben gehalten hat."