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Donnerstag, 03. Juli 2008

Darf man das?: Wachs-Hitler in Berlin

Darf Hitler im ersten deutschen Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds in Berlin stehen? Diese Frage hat in den vergangenen Wochen in der Hauptstadt einigen politischen Wirbel ausgelöst. Die Veranstalter sagen Ja und haben sich für den Diktator eine besondere Szenerie ausgedacht. Mit finsterem Blick sitzt er in einem grauen Kriegsbunker hinter einem Schreibtisch. An der Wand prangt eine Europakarte, die das Näherrücken der Roten Armee aus dem Osten und der alliierten Streitkräfte aus dem Westen dokumentiert. Die Besucher, die von diesem Samstag an in großer Zahl in der neuen Touristenattraktion unweit des Brandenburger Tors erwartet werden, sollen in der Figur einen gebrochenen alten Mann erkennen.

"Ich glaube, wir präsentieren ihn in angemessener Weise", sagt die Berliner Tussaud-Managerin Susanne Keller kurz vor der Eröffnung der Schau am kommenden Donnerstag. Bei Madame Tussauds in London steht bereits seit Mitte der 1930er Jahre ein Hitler in brauner Uniform. Als monströse Kuriosität wird er oft fotografiert. Doch als Pläne bekannt wurden, einen Hitler auch in der dritten europäischen Niederlassung von Madame Tussauds in Berlin zu zeigen, regte sich sofort Protest.

"Überflüssig und geschmacklos"

"Ich halte es für überflüssig und geschmacklos, Hitler in einem Wachsfigurenkabinett zu zeigen", kritisierte etwa der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Johannes Tuchel. "Was Hitler für die deutsche Geschichte bedeutet, kann man hier nicht zeigen." Und die Publizistin Lea Rosh, Vorsitzende des Förderkreises Denkmal für die ermordeten Juden Europas, warnte davor, die Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte zur bloßen Unterhaltung werden zu lassen. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bat um Sensibilität. Der Zentralrat der Juden in Deutschland verlangte ergänzende Kommentierungen zu den Verbrechen Hitlers.

All diesen Bedenken glauben die Veranstalter, die eine Hitler-Figur in ihrer Galerie wichtiger historischer Persönlichkeiten für unverzichtbar halten, nun gerecht geworden zu sein. So gibt es einige erläuternde Tafeln zur Historie. Und bevor der Besucher vor Hitler steht, trifft er auf eine Figur der Münchner Studentin und Widerstands-Ikone Sophie Scholl, eines der unzähligen Opfer des Diktators.

Foto mit Hitler ist verboten

Auch den Berliner Hitler selbst hält man bei Madame Tussauds für gelungen. "In seinem Gesichtsausdruck ist zu sehen, dass er kurz vor dem Ende ist", sagt Stefan Wessels. Der 32-Jährige verantwortet die Figurenpflege und die Ausstellungstechnik im Berliner Kabinett. Mangelnde Sensibilität wollen sich die Veranstalter keinesfalls nachsagen lassen. So herrscht striktes Fotografierverbot. "Aus Respekt vor den Millionen Opfern Hitlers", sagt die Verantwortliche für das Marketing, Natalie Ruoß. Und vielleicht auch, damit sich nicht Rechtsradikale mit der Hitler-Figur ablichten lassen. Zudem wachen Mitarbeiter darüber, dass niemand der Figur zu nahe tritt.

Ob diese Sorge nicht übertrieben ist? Hautkontakte mit Besuchern prophezeit Wessels mit Blick auf seine früheren Erfahrungen bei Madame Tussauds in London einem ganz anderen Figurentyp. Dort ist ihm aufgefallen, dass die Hose des Schauspielers Brad Pitt Tag für Tag "im Gesäßbereich stark gekniffen" war. Brad Pitt steht auch in Berlin neben seiner Gefährtin Angelina Jolie.

Harald Rohde, dpa

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