Toleranz gegenüber "queerem" LebenWarschau und Frankfurt schrill
Durch die polnische Hauptstadt zieht die erste "Euro-Pride"-Parade im Ostblock. Rechtsextreme und ultrakonservative Katholiken bringen nur wenig Toleranz für andere Lebensformen auf. In Frankfurt überwiegt die Lebensfreude.
An einer großen Homosexuellen-Parade in der polnischen Hauptstadt Warschau haben mehrere tausend Menschen teilgenommen. Beim ersten "Euro-Pride"-Fest in einem Land des früheren Ostblocks warben Schwule, Lesben und ihre Unterstützer für mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen. Sie forderten zudem eine rechtliche Anerkennung von eheähnlichen Partnerschaften von Schwulen und Lesben in Polen.
Der Zug durch Warschau wurde begleitet von rund 2000 Polizisten, die die Teilnehmer vor möglichen Angriffen von Rechtsextremen oder ultrakonservativen Katholiken schützen sollten. Beide Gruppen hatten Gegendemonstrationen angekündigt. Vereinzelt wurden Eier und Flaschen auf Teilnehmer geworfen. Nach Polizeiangaben wurden acht Menschen festgenommen, weil sie Polizeibeamte angegriffen hatten.
Bei 40 Grad durch Warschau
Die farbenfrohe Parade zog begleitet von lauter Musik bei extremer Hitze mit Temperaturen um die 40 Grad durch die Straßen Warschaus. Im Vergleich zu den Vorjahresparaden der "Euro-Pride" in Westeuropa war er allerdings deutlich kleiner. An der Parade in Zürich hatten im vergangenen Jahr 50.000 Menschen teilgenommen.
Die Tatsache, dass die "Euro Pride" in diesem Jahr in Warschau stattfand, hatte im katholischen Polen für kontroverse Diskussionen gesorgt. Homosexuelle werden dort oft von Bürgern, aber auch Politikern angefeindet. Der im April bei einem Flugzeugabsturz getötete Ex-Präsident Lech Kaczynski hatte 2005 als Warschauer Bürgermeister eine Homosexuellen-Parade in der Hauptstadt verboten. In Umfragen sprachen zwei von drei Polen Homosexuellen das Recht ab, auf den Straßen des Landes zu demonstrieren.
Bunter CSD in Frankfurt
In Frankfurt feierten rund 50.000 Menschen mit einem bunten Umzug den diesjährigen Christopher Street Day. Die Demoparade zog durch die Innenstadt, um für mehr Toleranz gegenüber Schwulen, Lesben und anderen "queeren" Lebensweisen zu demonstrieren.
30 geschmückte Lastwagen, 15 Autos und unzählige Fußgruppen waren mit dabei. Die Zuschauer und Teilnehmer - darunter ebenso Drag-Queens wie junge Leute in Jeans und T-Shirt - ließen sich auch nicht vom regnerischen Wetter die Laune verderben. Vor dem Römer wurden mehrere Regenbogen-Flaggen gehisst. Nach Berlin, Köln und Hamburg zählt der Frankfurter CSD in Deutschland zu den wichtigsten. Er gilt als einer der politischsten.
Der Christopher Street Day erinnert an einen Aufstand von Homosexuellen gegen Polizei-Razzien 1969 in der Christopher Street in New York.