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Panorama

Sonntag, 17. August 2008

Wasser-Anarchie in Soweto: Wasserzähler ausgerissen

Im Johannesburger Township Soweto entledigen sich Dutzende Bewohner recht drastisch ihrer monatlichen Wasserrechnung: Sie reißen ihre Wasserzähler aus dem Boden. In den städtischen Wasserzählern sehen sie eine Einschränkung ihres nach dem Ende der Apartheid in der Verfassung verbrieften Rechts auf sauberes Trinkwasser. Die erstmals 2003 installierten Prepaid-Zähler spenden nur soviel Wasser, wie ihr Eigentümer im Vorfeld über ein Chipsystem eingezahlt hat - ähnlich einer Guthaben-Karte fürs Handy.

Bei aufgebrauchtem Betrag sitzt der Bewohner buchstäblich auf dem Trockenen, bis er ein neues Guthaben erstanden hat. Was für aufgebrachte Bürger Grund zu Protesten ist, ist für die Wasserwerke reine Überlebensstrategie: Bis zur Einführung der Prepaid-Zähler musste der Großteil der schwarzen Bevölkerung seinen Wasserverbrauch über Monatspauschalen begleichen - doch die rund 15 Euro zahlte nur jeder Dritte in Soweto.

Reparaturen dringend nötig

Der Prepaid-Zähler, dessen Gebühren für die Verbraucher günstiger sind, als die Pauschale, schien der Regierung ein gelungener Kompromiss. Und dies Einnahmen könnten langfristig auch den Armenvierteln der Stadt zugute kommen: Seit Jahrzehnten sind Reparaturen an den löchrigen Wasserleitungen dringend nötig.

Doch schon kurz nach der Installation der ersten Wasseruhren im Jahr 2003 haben die Betroffenen mit Unterstützung der frisch gegründeten "Koalition gegen Wasserprivatisierung" Klage gegen die Stadt eingereicht. Fünf Jahre später, im April 2008, entschied ein Johannesburger Gericht, dass jeder Bürger zwischen den umstrittenen Wasseruhren oder konventionellen Zählern wählen könne, deren Verbrauch am Monatsende bezahlt werden muss. Außerdem erhöhte das Gericht die Wassermenge, die täglich kostenlos von der Stadt Johannesburg bereitgestellt wird, von 25 auf 50 Liter.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Doch die Freude in Südafrikas größter Schwarzensiedlung wurde schnell wieder getrübt: "Johannesburg Water" hat das Urteil angefochten und so ist es auf unbestimmte Zeit noch nicht rechtskräftig. Bereits während der fünf Jahre, die bis zur Urteilsverkündung im April 2008 vergingen, hatten die Einwohner wöchentlich Protestmärsche durch die Drei-Millionen-Siedlung organisiert. Anschließend verschwanden Dutzende der insgesamt 85.000 Wasseruhren aus den Vorgärten ihrer Besitzer.

Patrick Sindane, dessen "Koalition gegen Wasserprivatisierung" die Märsche organisiert, packt zwar beim Ausgraben der Zähler mit an. Doch er weiß, dass das keine langfristige Lösung ist: "Die Leute hier brauchen ganz konventionelle Wasserzähler, bei denen man am Monatsende seine Rechnung zahlt." Die größere Ungerechtigkeit sieht Sindane an einem anderen Punkt: "Warum gibt es die Wasseruhren eigentlich nicht in den Stadtteilen, in denen die Reichen wohnen?"

Nancy Fischer, dpa

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