Panorama

Polens Norden zittertWeichsel-Flut noch nicht vorbei

10.06.2010, 21:32 Uhr

Die zweite Weichsel-Flut hat Warschau verschont. Doch nördlich der polnischen Hauptstadt bleibt die Angst vor dem Hochwasser. Auch im südlichen Teil der Oder in Brandenburg schwillt das Hochwasser wieder an.

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Swiniary und zehn weitere Ortschaften wurden zum zweiten Mal überflutet. (Foto: dpa)

Das Hochwasser ist noch nicht vorbei. Doch je weiter der Scheitel der Weichsel-Flut in Richtung Ostsee rollt, desto mehr Menschen können aufatmen. Lediglich im Norden Polens ist die Lage an den Deichen noch immer angespannt.

Im besonders gefährdeten Dorf Dobrzykow in Nordpolen hielt die provisorische Sperre aus Sandsäcken dem Druck der Wassermassen stand. Der Pegel der Weichsel sei um 21 Zentimeter niedriger als bei der ersten Flutwelle im Mai, teilte ein Sprecher des Krisenstabs in Plock mit. Das Wasser steige nicht mehr, bestätigte ein Militärsprecher. Entwarnung gab er aber zunächst nicht.

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Tausende Menschen mussten evakuiert werden. (Foto: REUTERS)

In den vergangenen Tagen hatten in Dobrzykow Soldaten, Feuerwehrleute und Einwohner mit hunderttausenden Sandsäcken die Deiche befestigt. Bei der ersten Flutwelle vor zweieinhalb Wochen hatte die Weichsel im benachbarten Ort Swiniary einen Damm durchbrochen. 20 Ortschaften wurden überflutet, tausende Menschen mussten das Gebiet verlassen. Der Deich konnte nicht vollständig repariert werden. Durch den Riss floss seit Mittwoch erneut Wasser. Swiniary und zehn weitere Ortschaften wurden zum zweiten Mal überflutet. Viele Einwohner blieben trotz Lebensgefahr in ihren Häusern.

Behinderungen im Zugverkehr

Ein heftiges Gewitter richtete am Mittwochabend große Schäden in Kostrzyn östlich von Posen an. Betroffen sei unter anderem die Eisenbahnstrecke Berlin-Warschau, meldete die Nachrichtenagentur PAP. Der Regen habe einen Eisenbahndamm unterspült, die Züge könnten nur sehr langsam fahren.

Im südlichen Teil der Oder in Brandenburg schwillt das Hochwasser wieder an. In Eisenhüttenstadt stieg der Pegel um einen Zentimeter, an den beiden Messstellen in Frankfurt (Oder) um zwei bis drei Zentimeter. Am Wochenende sei wegen der Nachwelle aus Polen an den drei Stellen mit Werten unterhalb der Richtwerte für die Alarmstufe 3 zu rechnen, teilte das Hochwassermeldezentrum Frankfurt (Oder) mit. Bei Alarmstufe 3 werden Deiche, Wehre und Wasserläufe rund um die Uhr beobachtet.

Entspannung in der Slowakei

In der Slowakei entspannte sich die Lage nach tagelanger Flut. Auch im besonders stark betroffenen Osten waren die Aufräumarbeiten bereits im Gange. Allein im Dorf Nizna Mysla machten Hochwasser und Erdrutsche nach Angaben der slowakischen Nachrichtenagentur TASR 43 Häuser dauerhaft unbewohnbar, in der gesamten Region Kosice bis zu 1400. Örtliche Medien schätzten den Hochwasserschaden in der Slowakei nach den Angaben lokaler Krisenstäbe und Bürgermeister auf rund 260 Millionen Euro. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht.

Die Regierung in Bratislava beschloss zudem, dass die Parteien einen Teil ihrer Wahlkampfmittel für die Parlamentswahlen am Samstag in einen Krisenfonds für Hochwasseropfer umwidmen sollen. Diesem Vorschlag muss allerdings noch das Parlament zustimmen.

Quelle: dpa