"Neue Schätze" für den ReformatorWittenberg ehrt Melanchthon
Am 19. April jährt sich der Todestag von Melanchthon zum 450. Mal. Zu Ehren des Reformators finden in Wittenberg zahlreiche Veranstaltungen statt und eine Ausstellung präsentiert bisher nicht gezeigte Exponate.
Mit einem Festwochenende wird in Wittenberg an den Reformator Philipp Melanchthon (1497-1560) erinnert. Anlass ist der 450. Todestag des Gelehrten. Zum Auftakt der Feierlichkeiten wird im einstigen Wohnhaus des Wegbegleiters von Martin Luther (1483-1546) die Ausstellung "Neue Schätze für Melanchthon" eröffnet. "Wir zeigen erstmals Exponate, die wir in den letzten Jahren ganz gezielt gekauft haben", sagte der Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Stefan Rhein, in Wittenberg. Dazu gehören Gemälde, Plastiken, Handschriften und alte Drucke. Zudem sind in der Schau bis zum 29. August zahlreiche Büsten Melanchthons zu sehen.
Ziel der Veranstaltungen sei es, das Leben und Werk Melanchthons bekannter zu machen. "Er stand zu Unrecht jahrelang im Schatten Luthers, Melanchthon war ein großer Reformator und Humanist", sagte Rhein. "Er war nicht nur der Lehrer Deutschlands, sondern auch der Lehrer Europas, er hatte internationale Beziehungen von Wittenberg aus." Melanchthon lehrte als Professor für Griechisch in Wittenberg, widmete sich aber auch der Astronomie und der kulturellen Bildung.
"Kleiner Mann ganz groß"
Zum Festwochenende gibt es in Wittenberg bis zum 19. April Gottesdienste, eine Tagung sowie eine Melanchthon-Nacht unter dem Motto "Kleiner Mann ganz groß" mit Theater, Musik und Tanz. Höhepunkt ist zum Abschluss ein Festakt mit mehr als 400 Gästen am Todestag des Reformators. Dazu werden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vertreter der Kirchen aus dem In- und Ausland erwartet.
Der 450. Todestag sei zugleich Anlass für das dritte Themenjahr der Lutherdekade, das sich dem Thema "Reformation und Bildung" widmet, sagte Stephan Dorgerloh, Beauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Wittenberg für die Lutherdekade. Anliegen ist es seit 2008, auf den 500. Jahrestag der Reformation im Jahr 2017 vorzubereiten.
Der Überlieferung nach soll Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel der Kirche an die Schlosskirche in Wittenberg geschlagen haben. Dies gilt als Beginn der weltweiten Reformation. Das Melanchthon-Jahr 2010 war am 31. Oktober 2009 in Bretten (Baden-Württemberg), der Geburtsstadt des Reformators, eröffnet worden.