Panorama

Ausbruch mit HubschrauberZwei Wärter verurteilt

26.02.2009, 13:21 Uhr

Der spektakuläre Gefängnisausbruch von Griechenlands bekanntestem Kriminellen hat Konsequenzen: Ein Gericht verurteilt zwei Wärter zu Haftstrafen auf Bewährung.

Nach dem spektakulären Gefängnisausbruch von Griechenlands bekanntestem Kriminellen hat ein Gericht den Vorgesetzten der Gefängniswärter zu drei Jahren Haft verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Er habe seine Arbeit fahrlässig ausgeübt, berichtete das staatliche griechische Fernsehen unter Berufung auf das Urteil. Ein weiterer Wärter erhielt eine sechsmonatige Bewährungsstrafe. Seine Verurteilung hatte jedoch nicht unmittelbar etwas mit dem Gefängnisausbruch zu tun: In seiner Wohnung war eine nicht registrierte Waffe gefunden worden.

Griechenlands bekanntester Krimineller Vassilis Paleokostas war am vergangenen Sonntag zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren aus einem Hochsicherheitsgefängnis bei Athen ausgebrochen. Mit seinem albanischen Komplizen war er während eines Hofgangs mit Hilfe einer Strickleiter an Bord eines Hubschraubers geklettert. Eine Freundin eines der Kriminellen und ihr Komplize hatten den Piloten mit einem Messer und einer Handgranate bedroht und ihn gezwungen, zum Gefängnis zu fliegen. Er sowie zwei weitere Wärter wurden in dem Verfahren freigesprochen.

"Politische Entscheidung"

Die Anwälte der Verurteilten kritisierten das "ungewöhnlich" schnelle Verfahren, das nur vier Tage nach der Flucht stattfand. Sie kündigten an, Einspruch gegen die Urteile einzulegen. Einer der Verteidiger legte sein Mandat aus Protest nieder. Die Verteidiger argumentierten, die Justiz habe eine politische Entscheidung getroffen und ihre Zuständigkeit überschritten.

Die griechische Regierung ist bei der Bevölkerung sehr unbeliebt und steht nun durch den Ausbruch weiter unter Druck. Nach Ansicht des Gerichts begünstigte das Verhalten des Wärters die Flucht jedoch. So habe er erlaubt, dass sich die beiden Kriminellen zum gleichen Zeitpunkt auf einem Hof des Gefängnisses aufhalten.

Ein moderner Robin Hood?

Der 43-jährige Paleokostas und sein Bruder Nikos, der derzeit ebenfalls im Gefängnis sitzt, werden trotz ihrer zahlreichen Straftaten von griechischen Medien mitunter wohlwollend beurteilt. Bei keinem der von ihnen begangenen Banküberfälle wurde je ein Mensch verletzt. In ihrer Heimat Trikala in Zentral-Griechenland kursieren Gerüchte, denen zufolge die Brüder Teile ihrer Beute öfter an Bedürftige verteilten.

Anwohner hatten den spektakulären Gefängnisausbruch auf Video aufgenommen. Seitdem wird er immer wieder in den griechischen Medien gezeigt. Von den beiden Kriminellen fehlt bislang jede Spur.