Panorama

Symbol für falsche AtompolitikZweifel an Salzbergwerk Asse

23.06.2008, 08:55 Uhr

Ein altes Salzbergwerk in Niedersachsen könnte neuen Zündstoff in die bundesweite Debatte um den Atom- Ausstieg und die Suche nach Endlager-Stätten bringen.

Ein altes Salzbergwerk in Niedersachsen könnte neuen Zündstoff in die bundesweite Debatte um den Atom-Ausstieg und die Suche nach Endlager-Stätten bringen: Atommüll soll für eine Million Jahre sicher eingelagert werden - doch in der Asse bei Wolfenbüttel treten bereits nach 40 Jahren massive Probleme auf. Dabei wurde ausgerechnet dort von 1967 bis 1992 die Endlagerung von Atommüll erforscht. Seit einigen Tagen scheint der gleichnamige Höhenzug südöstlich von Braunschweig für Atomkraftgegner zu einem Symbol für die in ihren Augen falsche Atompolitik zu werden.

Auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), in dessen Wahlkreis das Forschungsbergwerk liegt, will dem Umgang mit radioaktivem Müll genauer auf den Grund gehen. Er forderte vom Landesumweltministerium in Hannover - die Atomaufsicht über die Asse - einen umfassenden Bericht an.

Proteste seit 1967

Schon seit der Eröffnung des Versuchsbergwerks Asse 1967 hatte es Proteste in der Bevölkerung gegeben. Seit im vorigen Jahr aber das umstrittene Schließungskonzept für die Schachtanlage öffentlich diskutiert wird, werden die Alarmzeichen deutlicher: Der alte Salzstock gilt nicht nur als einsturzgefährdet. Nun wurde auch noch bekannt, dass die in jedem Salzgestein vorkommende Lauge auf einem noch unbekannten Weg radioaktiv belastet wurde - und das stärker als die Grenzwerte es erlauben.

"Wenn Lauge mit dem Atommüll in Verbindung kommt, kann es jede Menge chemischer Reaktionen geben", warnt Rolf Bertram, emeritierter Professor für physikalische Chemie. Viele Anwohner und Gegner fürchten, dass die belastete Lauge ins Trinkwasser geraten kann.

Zur politischen Klärung fordern Landespolitiker in Niedersachsen nun einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Vor allem Grüne, SPD und Linke halten den Umgang mit den radioaktiven Stoffen im Atommülllager Asse für abenteuerlich. Offensichtlich hatte der Betreiber - das Helmholtz-Zentrum in München - Arbeiten ohne Genehmigung durchgeführt. Geklärt werden soll auch, ob die zuständigen Behörden Fehler gemacht haben.

Durch die Ungereimtheiten in der Asse fühlen sich die Atomkraftgegner in ganz Deutschland bestätigt: "Die Asse zeigt einmal mehr, dass das Thema Endlager noch unklar ist", sagt etwa Alex Burger, Sprecher der Grünen in Bayern. Es sollte zumindest nicht mehr an dem vereinbarten Atomkompromiss, der den Ausstieg aus der Atomenergie vorsieht, gerüttelt werden. "Was da in der Asse passiert, kann an allen anderen Standorten für Endlager auch passieren", warnt Peter Dickel, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft (AG) Schacht Konrad.

Ab 2014 soll eingelagert werden

Seit 1987 versucht die AG mit Klagen, Protesten und Informationen die Einlagerung von Atommüll in der Asse und im etwa 25 Kilometer entfernten Salzgitter zu verhindern. 1991 sammelten sie etwa knapp 300.000 Einwendungen gegen das geplante Atomendlager Schacht Konrad in Salzgitter. Dennoch wird derzeit das alte Erzbergwerk als nationales Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall vorbereitet, der ab etwa 2014 eingelagert werden soll.

Für Dickel sind nicht nur die konkreten Probleme, sondern auch der Umgang damit beunruhigend: "Ministerien und Behörden streiten sich um Zuständigkeiten, Gefahren werden heruntergespielt und vor allem werden wichtige Informationen nicht offen gelegt", kritisiert der Spreche. "Hier geht es um Abfall, der eine Million Jahre Menschen, Tiere und Pflanzen schaden könnte."

Von Anita Pöhlig, dpa