Panorama

Zugunglück in BrandenburgZweiter Graffiti-Sprayer tot

11.07.2010, 10:42 Uhr
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Der ICE steht in voller Länge auf der Havelbrücke in Rathenow. (Foto: dpa)

Sie riskieren Kopf und Kragen für den Nervenkitzel auf den Gleisen: S-Bahn-Surfen oder Graffiti-Sprayen gehört für viele Jugendliche dazu. Etwa 40 junge Menschen verlieren jährlich durch Leichtsinn auf Bahnanlagen ihr Leben. Jetzt traf es zwei junge Brandenburger.

Nach dem schweren Zugunglück in Rathenow (Brandenburg) ist auch der zweite Graffiti-Sprayer gestorben. Wie die Polizei jetzt mitteilte, starb der 15-Jährige in einer Klinik. Der Jugendliche und ein gleichaltriger Freund waren am Freitag von einem ICE-Zug erfasst worden, als sie frühmorgens mit Farbdosen einen Güterzug besprühen wollten. Sein Freund war sofort tot. Der 15-Jährige wurde schwer verletzt in das Krankenhaus gebracht.

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Die Rerisenden verlassen den ICE über eine Notleiter. (Foto: dpa)

Die Sprayer hatten sich mit ihren Farbdosen an einem Güterzug in Höhe einer Havelbrücke zu schaffen gemacht, als der ICE heranraste. Der Lokführer eines anderen Zuges gab noch ein Notsignal ab. Die beiden Jugendlichen aus Rathenow konnten nicht mehr ausweichen. Ein Zwölfjähriger, der in unmittelbarer Nähe stand, erlitt einen Schock.

Anstieg zur Ferienzeit

"Wir weisen immer wieder auf die Gefahr hin", sagte Bahnsprecher Burkhard Ahlert. Vandalismus und Graffiti-Schmierereien seien seit Jahren ein großes Thema, insbesondere im Großraum Berlin. "Zur Ferienzeit erleben wir regelmäßig einen Anstieg".

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Die Fahrgäste müssen mit Bussen nach Hannover weiterreisen. (Foto: dpa)

Damit wächst auch das Risiko: "Die Eigengefährdung wird ständig unterschätzt", erläuterte Meik Gauer von der Bundespolizei. Seit Jahren versuchen Polizei und Bahn mit Präventionsarbeit dagegen anzukämpfen. Im vergangenen Sommer starteten sie die Kampagne "Fair und sicher unterwegs".

Bahnpolizei untersucht den Vorfall

Das Unglück in Rathenow wird nun von der Bundespolizei untersucht. Der ICE 375 war aus Berlin nach Interlaken in der Schweiz unterwegs; in Rathenow hatte er kurz betriebsbedingt gestoppt. Zum Zeitpunkt des Unglücks hatte er nach Schätzungen der Bahn wieder eine Geschwindigkeit von etwa 120 Stundenkilometer erreicht.

Die Fahrgäste des ICE mussten in Busse umsteigen, die sie nach Hannover brachten. Für die Reisenden anderer Züge kam es zu Verspätungen von mindestens einer Stunde.

Quelle: dpa