Manchmal können Plastiktüten ja auch ganz nützlich sein.
Freitag, 20. Juli 2007
US-Alternativen zu Plastik: Tütenskepsis
Amerikanische Supermärkte bestätigen meist sämtliche Vorurteile über das Land der üblen Umweltsünden: Die Kassiererinnen können offenbar gar nicht genug Plastiktüten verwenden, um selbst bescheidene Einkäufe zu verpacken. Tatsächlich sind die Amerikaner nach wie vor unbestrittene Weltmeister im Konsum von Kunststoff-Tüten: Über 100 Milliarden Plastiksäcke werden in den USA jährlich verbraucht. Das sind statistisch gesehen mehr als 300 Tüten pro US-Bürger - Neugeborene, Gefängnis-Insassen und Umweltschützer eingerechnet. Inzwischen aber hat auch in den USA ein Umdenken begonnen - mit allerdings ungewöhnlichen Maßnahmen und nicht immer befriedigenden Ergebnissen.
Anreize zum Umdenken
Die ersten US-Einzelhandelsketten sind dabei, auf das wachsende Umweltbewusstsein zu reagieren. Um Kunden zur Wiederverwendung von Tüten zu bewegen, erlassen Filialen des Edel-Supermarkts Whole Foods fünf Cent für jede mitgebrachte Tüte, die der Kunde für den Einkauf wieder nutzt. Auch die weitaus größere und weniger teure Kette Giant gibt beim Einkauf jeweils drei Cent für wieder verwendete Tüten Rabatt.
Gesetze eingetütet
Manche amerikanischen Kommunen wollen Plastiktüten jetzt sogar ganz verbieten. Als erste Stadt in den USA verbannt San Francisco ab Herbst Kunststoff-Taschen aus allen Super- und Drogeriemärkten.
"Hoffentlich werden andere Städte und Bundesstaaten uns folgen", meinte wohl etwas zu optimistisch der Stadtabgeordnete Ross Mirkarimi im "San Francisco Chronicle". Zwar wollen andere Städte - wie Annapolis im Bundesstaat Maryland - dem Beispiel der Stadt am Pazifik folgen, aber es bleibt bisher nur bei einzelnen Gemeinden.
Mirkarimi war es, der in seiner Stadt das Gesetz zum Plastiktüten- Verbot einbrachte - zuvor war hier der Versuch gescheitert, mit rein freiwilligen Absprachen die Verwendung der Tüten zu reduzieren. Immerhin werden allein in den Supermärkten der kalifornischen Stadt mit ihren 750.000 Einwohnern rund 180 Millionen Tüten jährlich ausgegeben. Mit der neuen Regulierung will die Stadt indirekt den Verbrauch von 1,7 Millionen Liter Öl einsparen und 1,4 Tonnen Plastik-Müll im Jahr vermeiden.
Ökobilanz nicht schlecht
Der Kampf gegen die Plastiktüte hat die amerikanischen Umweltschützer aber auch in Verlegenheit gebracht. Ihnen wurde wieder bewusst, dass Papiertüten keine umweltfreundliche Alternative zum Plastik sein können - schließlich wurden Kunststofftaschen auch mit dem Argument eingeführt, dass für Papiertüten ganze Wälder gefällt werden müssten. Nach Berechnungen der Umwelt-Spezialisten der US- Beratungsfirma Franklin Associates wird für die Herstellung einer Papiertüte zweimal so viel Energie benötigt wie für Plastiktüten. Auch beim Recycling schnitten Plastiktüten in der Analyse besser ab: Die Tasche aus Kunststoff weise die bessere Ökobilanz aus, so das renommierte Unternehmen.
US-Umweltschützer wollen deshalb das Konsumverhalten der Amerikaner von Grund auf ändern: "Es muss insgesamt ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden", betonte Stadtrat Sam Shropsire aus Annapolis. Ziel müsse es sein, dass jeder Amerikaner Plastiktüten mehrfach benutzt. Er weiß selbst, dass dies noch eine lange Zeit dauern wird - zumal die Tüten hier extrem dünn sind und leicht reißen. An dem Status der USA als Weltmeister beim Gebrauch von Plastiktüten wird sich sicher noch lange nichts ändern.
Von Sophie Laufer, dpa
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