Schuldrama in Deutschland16.000 Lehrer fehlen
Die Lage sei "so schwierig wie seit 35 Jahren nicht mehr", sagt der Vorsitzende der Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger.
An Deutschlands Schulen fehlen nach einer Umfrage des Philologenverbandes rund 16.000 Lehrer. Die Lage sei "so schwierig wie seit 35 Jahren nicht mehr", erklärte der Vorsitzende der Gymnasiallehrer-Organisation, Heinz-Peter Meidinger.
Besonders groß sei die Not an beruflichen Schulen, an Gymnasien und Realschulen in Süddeutschland sowie in den sogenannten Mangelfächern. Dazu zählte der Verband neben Mathematik, Physik, Latein und Religion inzwischen in Bayern auch die Fremdsprachen und sogar Deutsch.
Zu viele Seiteneinsteiger
Der Deutsche Philologenverband stützt sich auf eine Umfrage unter den eigenen Landesverbänden sowie den Realschullehrerverband. Eine hohe Zahl von Seiteneinsteigern ohne Lehrerstudium gefährde zudem die Unterrichtsqualität. Bei fast jeder fünften Neueinstellung handele es sich inzwischen um einen Seiteneinsteiger aus einem anderen Berufsfeld. An bestimmten Schularten in einzelnen Bundesländern liege diese Quote sogar deutlich über 50 Prozent.
"Wir beobachten mit Sorge, dass die Qualitätsstandards bei der Einstellung von Lehrern in vielen Bundesländern kontinuierlich abgesenkt werden", so Meidinger. Diese Notmaßnahmen zur Sicherung der Unterrichtsversorgung müssten "zeitlich eng begrenzt werden".
Gegen Unterrichtskürzungen
Allein in Baden-Württemberg fehlen nach diesen Angaben 900 Berufsschullehrer, in Bayern fast 1.000. Hinzu komme dort ein Fehlen von über 600 Gymnasiallehrern. Aber auch in Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Berlin sei "die Personaldecke zum Zerreißen gespannt".
Die Lehrerversorgung in den Mangelfächern werde zudem dadurch verschärft, dass durch die große Nachfrage der Wirtschaft nach Naturwissenschaftlern zahlreiche Lehramtsstudenten kurzfristig in die Diplomstudiengänge gewechselt seien. Meidinger warnte davor, den Lehrermangel durch Unterrichtskürzungen zu kaschieren. "Der Vorstoß von Kultusministern aus Unionsländern, die Mindeststundenzahl an Gymnasien nochmals drastisch herabzusetzen, ist ein Versuch, den Lehrermangel auf Kosten der Qualität zu beseitigen."