Politik

Offensive gegen Taliban-Hochburg18 Extremisten in Pakistan getötet

19.10.2009, 17:30 Uhr

Die pakistanische Armee setzt auch am dritten Tag ihrer Offensive die Angriffe gegen Taliban-Kämpfer fort. Inzwischen postiert sich die Armee vor der Heimatstadt des Taliban-Führers Mehsud. Wegen der Kampfhandlungen sind bereits zehntausende Menschen auf der Flucht - Pakistan steht vor einer humanitären Katastrophe.

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Wegen der jüngsten pakistanischen Offensive haben zehntausende Menschen Süd-Waziristan verlassen. (Foto: REUTERS)

Im Zuge der lang erwarteten pakistanischen Bodenoffensive gegen Taliban-Kämpfer sind laut Militärangaben in den 24 Stunden bis Montagabend 18 Extremisten getötet worden. Bei den Kämpfen am dritten Tag der Angriffe kamen auch zwei pakistanische Soldaten ums Leben. "Es gab in der ganzen Nacht schwere Kämpfe", sagte ein Anwohner in der Stadt Wana in Süd-Waziristan an der Grenze zu Afghanistan. Diese Region gilt als Hochburg der Taliban. Bei ersten Gefechten wurden nach Angaben der Armee bereits am Wochenende 60 Taliban-Kämpfer und fünf Soldaten getötet.

Die pakistanischen Truppen bereiteten laut Angaben aus Armeekreisen die Stürmung von Kotkai vor, der Heimatstadt des Taliban-Führers Hakimullah Mehsud. Die Truppen hätten bereits in den Außenbezirken der Stadt Stellung bezogen, hieß es. Der Ort könnte demnach innerhalb weniger Stunden oder am frühen Dienstagmorgen eingenommen werden. Mehsud ist der Chef der extremistischen Tahreek-e-Taliban Pakistan (TTP), die Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida von Osama bin Laden unterhalten und hinter einer Serie von Anschlägen mit mehr als 2300 Toten stecken sollen.

Über 30.000 Soldaten an Offensive beteiligt

Die Zahl der Todesopfer durch die Bodenoffensive konnte bisher nicht verifiziert werden, da viele pakistanische Journalisten die an Afghanistan grenzende Stammesregion verlassen haben und ausländische Reporter von dort nicht berichten dürfen. Zudem hat die Armee Telefonverbindungen weitgehend unterbrochen.

Nach einer Serie von Anschlägen mit mehr als 150 Todesopfern war die Armee am Samstag in die Hochburg der Taliban einmarschiert. An der Offensive sind mehr als 30.000 Soldaten beteiligt; ihnen stehen etwa 15.000 Taliban unter dem Kommando Mehsuds sowie Kämpfer des Terrornetzwerks Al Kaida gegenüber.

Pakistan droht humanitäre Katastrophe

Seit Beginn der Kampfhandlungen seien bislang mehr als 100.000 Menschen aus Süd-Waziristan geflohen, berichtete der Sender Geo TV unter Berufung auf das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und die Armee. Die meisten suchten in den Nachbardistrikten Dera Ismail Khan und Tank Zuflucht. In den nächsten Tagen werden Zehntausende weitere Menschen erwartet. Um zu verhindern, dass sich bewaffnete Extremisten unter die Zivilisten mischen, hat die Armee Checkpoints eingerichtet. Angesichts des bevorstehenden Winters droht Pakistan eine humanitäre Katastrophe. Bereits im Frühjahr waren mehr als zwei Millionen Menschen im Nordwesten des Landes vertrieben worden, als die Armee im Swat-Tal gegen Taliban-Milizen vorging.

Pakistan ist einer der wichtigsten Verbündeten der USA im Kampf gegen den Terrorismus. Süd-Waziristan und die anderen Stammesgebiete gelten als Hochburgen des radikal-islamischen Terrorismus und Ausgangspunkt für zahlreiche blutige Anschläge in Pakistan sowie auf die internationalen Truppen im Nachbarland Afghanistan.

Quelle: dpa/rts/AFP