Archiv

Bundeswehr im Ausland44 Prozent gegen Einsätze

21.11.2006, 14:53 Uhr

Knapp die Hälfte der Deutschen lehnt Kampfeinsätze der Bundeswehr - auch mit UN-Mandat - einer Studie zufolge ab.

Knapp die Hälfte der Deutschen lehnt Kampfeinsätze der Bundeswehr - auch mit UN-Mandat - einer Umfrage zufolge ab. 49 Prozent der jungen Menschen und 44 Prozent der Gesamtbevölkerung stimmten friedenserzwingenden Maßnahmen mit einem Mandat der Vereinten Nationen nicht zu, heißt es in einer am Dienstag in Berlin vom Verteidigungsministerium verbreiteten Studie. Dagegen befürworteten einheitlich 99 Prozent Katastropheneinsätze der Soldaten im Inland.

Das Marktforschungsinstitut Emnid hatte im Auftrag des Ministeriums vom 29. August bis 30. September rund 2.000 Menschen, darunter auch speziell 16-bis 20-Jährige, nach ihrer Meinung über die sicherheitspolitische Lage in Deutschland befragt.

Derzeit ist die Bundeswehr allerdings in keinem Einsatz, der als Kampfeinsatz deklariert ist und ein UN-Mandat hat. Auffallend ist die unterschiedliche Zustimmung zu den verschiedenen Auslandseinsätzen.

Operation Enduring Freedom

Danach befürworten 64 Prozent der Befragten zwischen 16 und 20 Jahren und insgesamt 68 Prozent der Bevölkerung die deutsche Beteiligung am US-geführten Anti-Terrorkampf "Operation Enduring Freedom" (OEF). Dies ist ein Kampfeinsatz ohne UN-Mandat. Dagegen stimmen nur 44 Prozent der jungen Leute und 52 Prozent der gesamten Bevölkerung für die Beteiligung an dem friedenssichernden Einsatz der internationalen Schutztruppe für Afghanistan ISAF mit UN-Mandat. Den EU-Kongo-Einsatz - auf Bitten der UN - unterstützen 59 Prozent der Jugendlichen und Heranwachsenden sowie 47 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Landesverteidigung

Die Einstellung zur Bundeswehr ist laut Studie so gut wie nie zuvor. 76 Prozent der jungen Menschen (2005: 72 Prozent) und 87 Prozent der Bevölkerung (2005: 85 Prozent) stehen den Streitkräften "positiv oder eher positiv gegenüber". Die Zustimmung zur Landesverteidigung beläuft sich auf 89 Prozent bei den jungen Menschen und 96 Prozent der Bevölkerung. Allerdings hat die Landesverteidigung angesichts des Wandels der Bundeswehr zu einer Armee im Einsatz und der verstärkten Ausrichtung auf Auslandsmission nicht mehr den Stellenwert von früher, als sie noch die oberste Priorität hatte.

In der Frage, ob die Wehrpflicht beibehalten oder eine Berufsarmee geschaffen werden solle, ist die Jugend gespalten. 50 Prozent sind für die Beibehaltung der Wehrpflicht, 50 Prozent für eine Berufsarmee.