Samstag, 30. Januar 2010
New York zu gefährlich: 9/11-Prozess wird verlegt
Der "Jahrhundertprozess" gegen die überlebenden und gefassten Drahtzieher der Anschläge vom 11. September wird nicht am zentralen Schauplatz der Anschläge stattfinden. Der Grund sind Sicherheitsbedenken der Stadt New York - und ihre Angst vor den hohen Kosten.Der Prozess gegen die mutmaßlichen Hauptverantwortlichen der Anschläge vom 11. September 2001 wird nicht in New York stattfinden. Das berichten mehrere Medien unter Berufung auf Quellen in der US-Regierung. "Ich denke, wir können das Offensichtliche anerkennen", zitiert die "New York Times" ein Mitglied der Regierung. "Wir denken über andere Möglichkeiten nach."
Auch die Nachrichtenagentur AFP zitierte eine Quelle, derzufolge mehrere "Optionen" in Erwägung gezogen würden. Der "Washington Post" sagte ein Beamter: "New York ist vom Tisch."
In den vergangenen Wochen waren verstärkt Bedenken laut geworden, ein Prozess in der Nähe des Anschlagsortes in Manhattan, des damals eingestürzten World Trade Centers, werfe zu große Verkehrs- und Sicherheitsprobleme auf und werde zu kostspielig sein. Bürgermeister Michael Bloomberg hatte diese Woche seine Meinung geändert und gesagt, er würde es begrüßen, wenn der Prozess gegen Khalid Scheich Mohammed und seine vier Komplizen nicht in New York stattfände, weil er dramatische Kosten und Sicherheitsrisiken für seine Stadt befürchtet.
Alternativen noch offen
Statt in New York könnte der Prozess in einem Bundesgericht in Otisville oder auf dem Luftwaffenstützpunkt Stewart Air National Guard Base stattfinden. Im Gefängnis von Otisville gibt es allerdings kein Gericht, auf dem Luftwaffenstützpunkt weder Gefängnis noch Gericht. Den Vorschlag, den Prozess auf Governor's Island in New York abzuhalten, lehnte Bloomberg ebenfalls ab.
Die Regierung von Präsident Barack Obama vertrat bislang die Ansicht, der Prozess solle im New Yorker Stadtteil Manhattan abgehalten werden. Die "Washington Post" sprach von einem Rückschlag für Obama bei den Bemühungen, Guantánamo zu schließen. Vorläufig befinden sich die Hauptverdächtigen im US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba.
Die "New York Times" schreibt, es gebe mehrere Gründe, warum die Stimmung von "fangt endlich damit an" gekippt sei zu "nur nicht hier", darunter die erhöhte Angst vor Anschläge nach dem vereitelten Attentat auf ein Flugzeug im Landeanflug auf Detroit. Der Hauptgrund sei jedoch gewesen, dass die New Yorker Behörden nicht "einen Großteil der Stadt" an eine Reihe von Prozessen verlieren wollten, die jahrelang andauern könnten. Die Prozesse in Manhattan abzuhalten liefe darauf hinaus, den Finanzbezirk zu schließen, sagte eine Sprecherin des Bezirks Lower Manhattan der Zeitung. "Das könnte eine Milliarde Dollar kosten. Es ist absolut verrückt."
hvo/AFP/dpa
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