Mittwoch, 11. Januar 2012
Geheime "Ertüchtigungsmaßnahmen": AKW hinter Zehn-Meter-Mauern
Deutschlands Atommüll-Zwischenlager an den AKW-Standorten sind wohl nicht sicher genug geschützt. Das Bundesamt für Strahlenschutz verordnet deshalb drastische Maßnahmen. Künftig sollen die Zwischenlager hinter zehn Meter hohen Stahlbetonmauern verschwinden. Details bleiben geheim.
Bislang sind die Standorte offenbar nicht sicher genug geschützt. Hier das AKW Gundremmingen.
(Foto: dpa)
Die Bundesregierung zweifelt offenbar an der Sicherheit der deutschen Atommüll-Zwischenlager. Die Atomkraftwerke müssen auf Anordnung des Bundesamts für Strahlenschutz besser gesichert werden. Dabei bleibt es den Bundesländern überlassen, welche Sicherheitsmaßnahmen sie zum Schutz vor möglichen Anschlägen ergreifen.
An den bayerischen AKW-Standorten Gundremmingen und Isar II bei Landshut sind bereits die Vorbereitungen für den Bau zehn Meter hoher Mauern in Vorbereitung, wie der Bayerische Rundfunk (BR) und Antenne Bayern meldeten. Nach Angaben der Betreiber des Atomkraftwerks Gundremmingen hat die Schutzmauer nichts mit Strahlenschutz zu tun, sondern ist Teil eines des Konzepts zum Schutz des Objektes.
Eine Sprecherin des bayerischen Umweltministeriums sagte dazu: "An den Brennelement-Zwischenlagern in Deutschland werden Ertüchtigungsmaßnahmen durchgeführt." Die atomrechtliche Genehmigungsbehörde sei das Bundesamt für Strahlenschutz. Die Details unterliegen laut bayerischem Ministerium der Geheimhaltung.
Die Maßnahmen erfolgten "im Rahmen einer regelmäßig stattfindenden Überprüfung", sagte die Sprecherin. Die Planung zu den jetzt umzusetzenden Maßnahmen wurde bereits vor der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima eingeleitet.
85 Zentimeter starker Stahlbeton
In Gundremmingen, dem Standort des größten deutschen Atomkraftwerks, hat der Gemeinderat bereits den Bau einer 210 Meter langen, zehn Meter hohen und 85 Zentimeter starken Stahlbeton-Mauer beschlossen. Der parteilose Bürgermeister Wolfgang Mayer, sagte der "Münchner Abendzeitung", der Bauantrag der Betreibergesellschaft sei völlig überraschend gekommen und "auch nicht begründet" worden. "Es wurde nur mitgeteilt: Das soll in allen Zwischenlagern, die diese Bauweise aufweisen, in ganz Deutschland so nachgerüstet werden", sagte Mayer.
Auch der Sprecher des AKW Isar 2 in Essenbach bei Landshut, Johann Seidl, bestätigte dem Bericht zufolge, dass das dortige Zwischenlager mit einer zusätzlichen Mauer gesichert werden soll.
Atomkraftgegner hatten schon vor den Terroranschlägen des 11. September 2001 vor den Gefahren gewarnt, die in den Atommüll-Zwischenlagern steckten.
dpa
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