Dienstag, 17. März 2009
Kassen lehnen Forderungen ab: Ärzte-Plus höher als gedacht
Überraschung im Streit um die Ärztehonorare: Die rund 140.000 niedergelassenen Mediziner verdienen in diesem Jahr voraussichtlich mehr als bislang gedacht. Neue Hochrechnungen zeigten, dass die Mediziner im Vergleich zu 2007 nicht nur 3 Milliarden Euro, sondern unterm Strich 3,5 Milliarden Euro mehr verdienten, berichtete der Spitzenverband der Krankenkassen nach einer Sitzung von Ärzte- und Kassen-Vertretern in Berlin.
Insgesamt stünden somit mindestens 30,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Der Vize-Chef des Verbandes, Johann-Magnus von Stackelberg, forderte die Ärzte auf, "nicht immer mehr Geld zu fordern". Die Ärzte sollten sich auf die Lösung ihrer "internen Verteilungsprobleme" konzentrieren.
Der Grund für die höhere Verdienst-Erwartung sei, dass bei den Berechnungen im Sommer von weniger Behandlungen im Jahr 2008 als tatsächlich abgerechnet ausgegangen worden war. Die Zahlen stammen vom Institut des Bewertungsausschusses beider Seiten. "Die aktualisierte Hochrechnung zeigt einmal mehr, dass das Klagelied der Ärzteschaft in der Summe ohne Grund angestimmt wird", sagte Stackelberg.
Nicht jeder Arzt profitiert
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wies darauf hin, dass es sich nur um eine "Simulationsberechnung" handele. "Außerdem steckt dahinter eine stark gestiegene Nachfrage der Versicherten nach Leistungen wie beispielsweise der Gesundheitsvorsorge", erklärte ihr Vorstandschef Andreas Köhler. "Es bleibt auch dabei, dass leider nicht jeder Arzt und jede Region in gleichem Maße von der Honorarreform profitieren wird." KBV-Sprecher Roland Stahl sagte, die Forderung nach Verbesserungen bei den Pauschalen für die Ärzte und regionalen Zuschlägen bleibe für die nächste Sitzung am 30. März auf der Agenda.
Seit Wochen protestieren Fachärzte in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein mit Praxisschließungen. Sie wenden sich gegen Einschnitte im zweistelligen Prozentbereich.
Zugleich beschloss das Gremium von Ärzten und Kassen nach Kassen- Angaben, dass die Ärzte für ambulantes Operieren sowie für bestimmte Behandlungen in Kliniken mehr Geld in zweistelligem Millionenumfang bekommen sollen. Diese Regeländerung zugunsten der Ärzte sei gegen die Kassen mit der Stimme des unparteiischen Vorsitzenden gefallen.
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