Donnerstag, 23. April 2009
MON 810 wird weiter angebaut: Aigner prüft Genkartoffel
Auch nach dem Verbot der Genmais-Sorte MON 810 werden in Bayern weiter Genpflanzen angebaut. Der US-Konzern Monsanto wird in Düllstadt nach Angaben der Regierung von Unterfranken demnächst auf 3,1 Hektar Genmais für einen Freisetzungsversuch aussäen. Das Münchner Umweltministerium lehnt die Versuche ab, ist aber machtlos.
Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wurde von den Monsanto-Plänen überrascht. Er sagte am Rande eines Besuches in Nürnberg, er höre von der geplanten Aussaat zum ersten Mal. "Ich kann daher keine Ferndiagnose abgeben, weil mir die Sache unbekannt ist."
Der CSU-Chef bekräftigte seine Unterstützung für das MON-810-Verbot. Die Unions-Vizefraktionschefin im Bundestag, Katherina Reiche, griff Seehofer wegen seines Anti-Gentechnik-Kurses scharf an und warf ihm populistische Stimmungsmache vor. Auch die FDP als Koalitionspartner der CSU in Bayern plädierte für die Freiheit der Wissenschaft.
Genkartoffel auf dem Prüfstand
Nach Ablehnung der Genmaissorte Mon 810 will Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) auch den umstrittenen Anbau der genmanipulierten Kartoffel Amflora prüfen. Sie wolle in den nächsten Tagen dazu Gespräche führen - "und dann entscheiden", betonte die Ministerin in einer Aktuellen Stunde des Bundestages. Es gebe ein Vorsorgeprinzip.
"Der Schutz von Mensch und Umwelt muss (...) an vorderster Stelle stehen", sagte Aigner. Sie wolle den neuen wissenschaftlichen Zweifeln beim Anbau der Amflora-Kartoffel nachgehen, sei sich aber in den grundsätzlichen Fragen mit Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) einig. Diese hatte sich heftig gegen das Genmais-Verbot gewehrt. Für die SPD forderte der Vizefraktionsvorsitzende Ulrich Kelber eine "einheitliche Linie" der Bundesregierung. Die sei vor allem im Verhältnis zur EU-Kommission in Brüssel nötig.
Seehofer scharf kritisiert
Scharfe Kritik an der Gentechnik-Politik der Regierung kam von den Grünen. Deren Fraktionsvorsitzende Renate Künast forderte CSU-Chef Horst Seehofer auf, er solle sich entschuldigen, weil er als Landwirtschaftsminister dem Genmais Mon 810 und der Amflora-Kartoffel zum Durchbruch verholfen habe. Aigner korrigiere dies jetzt zwar teilweise, durchgesetzt habe sie es aber nicht. "Das Verbot der Genmaissorte 810 ist der Sieg der Anti-Gentechnik-Bewegung in Deutschland." Die FDP-Abgeordnete Christel Happach-Kasan sah dagegen im Genmais-Verbot "eine Entscheidung gegen Arbeitsplätze".
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