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Ein Leichenwagen passiert am späten Abend das Tor zur JVA Leipzig - hinter diesen Mauern hat sich al-Bakr erhängt.
Ein Leichenwagen passiert am späten Abend das Tor zur JVA Leipzig - hinter diesen Mauern hat sich al-Bakr erhängt.(Foto: picture alliance / dpa)

Behörden bestätigen Selbstmord: Al-Bakr erhängte sich wohl mit T-Shirt

Zwei Tage nach dessen Festnahme finden Vollzugsbeamte den mutmaßlichen Bombenbauer Jaber al-Bakr tot in seiner Zelle. Politiker fordern Erklärungen von den sächsischen Behörden. Immerhin stand der Syrer offenbar unter Dauerüberwachung.

Der unter Terrorverdacht festgenommene Syrer Jaber al-Bakr ist tot. Der 22-jährige mutmaßliche Islamist wurde am Mittwochabend erhängt in seiner Zelle in der JVA Leipzig gefunden, wie das Justizministerium in Dresden bestätigte. Nach Informationen des MDR soll er sich mit seinem eigenen T-Shirt stranguliert haben. Politiker reagierten fassungslos und forderten Erklärungen. Der Pflichtverteidiger al-Bakrs sprach empört von einem "Justizskandal". Das Suizid-Risiko des Mannes sei bekannt gewesen. "Ich bin fassungslos, da ich davon ausgegangen bin, dass mein Mandant - jedenfalls zur Zeit - als einer der bestbewachten Gefangenen in Deutschland gelten konnte", sagte Alexander Hübner dem Sender MDR 1 Radio Sachsen.

"Für jemanden, der sich im Hungerstreik befindet und als suizidgefährdet gelten konnte, gibt es allein auf Grund der Gesamtumstände besonders gesicherte Haftumstände", erklärte Hübner weiter. "Da gibt es besonders gesicherte Hafträume in den JVAs, die auch mit Kameras bewacht sind. So etwas in der Art hätte ich mir jetzt vorgestellt. Aber anscheinend hat das nicht stattgefunden." Offenbar wurde die Zelle des Syrers nur einmal pro Stunde kontrolliert.

Politiker reagierten fassungslos auf die Todesnachricht. "Wie konnte das geschehen?", fragte der Grünen-Politiker Volker Beck auf Twitter. Der SPD-Verteidigungsexperte Johannes Kahrs schrieb: "Was ist denn schon wieder in Sachsen los? Irre." Der Grünen-Haushaltspolitiker Tobias Lindner schrieb auf Twitter: "Wie kann jemand, der angeblich unter ständiger Beobachtung stehen soll, erhängt aufgefunden werden?" Er sei fassungslos. Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Bundestag, Steffi Lemke, pochte auf eine zügige Aufklärung der sächsischen Justiz. "Ich erwarte, dass es morgen bessere Erklärungen zum Tod von al-Bakr gibt als das Abtauchen aller Zuständigen heute", schrieb Lemke bei Twitter.

Al-Bakr belastete Landsleute

Al-Bakr - hier auf dem Bild zu sehen, das seine Landsleute bei der Polizei vorzeigten - wurde in seiner Zelle erhängt aufgefunden.
Al-Bakr - hier auf dem Bild zu sehen, das seine Landsleute bei der Polizei vorzeigten - wurde in seiner Zelle erhängt aufgefunden.(Foto: Privat)

Al-Bakr war am Montag in Leipzig festgenommen worden. Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz hatte der anerkannte Flüchtling einen Sprengstoffanschlag auf einen Berliner Flughafen geplant und bereits weitestgehend vorbereitet. Der Anschlag wäre binnen Tagen möglich gewesen, sagte Behördenpräsident Hans-Georg Maaßen. Drei syrische Landsleute hatten al-Bakr am Montag erkannt, überwältigt und der Polizei in Leipzig gefesselt übergeben. In seinen Vernehmungen bezichtigte al-Bakr die drei Syrer nach dpa-Informationen der Mitwisserschaft. Inwieweit diese Aussage von den Ermittlern als glaubhaft eingestuft wird, blieb zunächst unklar.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, die die Ermittlungen führt, wollte die Berichte nicht bestätigen. Auch die Frage, ob die drei Syrer, die ihn überwältigt hatten, noch als Zeugen oder Verdächtige in dem Ermittlungsverfahren behandelt würden, blieb in Karlsruhe unbeantwortet. Den Angaben zufolge gab es aber keine weiteren Festnahmen. Überhaupt blieb zunächst unklar, ob die Ermittler die Aussage al-Bakrs für glaubhaft halten oder ob es sich um eine Schutzbehauptung handeln könnte.

1,5 Kilo Sprengstoff gehortet

Am Samstag war ein erster Versuch der Polizei, al-Bakr in Chemnitz festzunehmen, gescheitert. In der Wohnung dort fand die Polizei 1,5 Kilogramm des hochgefährlichen Sprengstoffs TATP. Der Wohnungsmieter wurde als mutmaßlicher Komplize verhaftet. Al-Bakr war Anfang 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Nach Recherchen des MDR war er zwischenzeitlich wieder in Syrien. Mitbewohner aus dem nordsächsischen Eilenburg hätten ebenfalls von seinem Aufenthalt in Idlib berichtet.

Sie hätten den 22-Jährigen aber nicht als besonders religiös beschrieben. Nach seiner Rückkehr soll er sich jedoch verändert haben. Laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière wurde al-Bakr 2015 von den Sicherheitsbehörden überprüft. "Allerdings ohne Treffer. Es steht ja auch noch gar nicht fest, wann es dort zu einer Radikalisierung gekommen ist", sagte er am Mittwoch in Berlin.

Quelle: n-tv.de

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