Archiv

Warnung vor FlächenbrandAllawi: "Bürgerkrieg im Irak"

19.03.2006, 12:17 Uhr

Der Irak befindet sich nach Ansicht des früheren Ministerpräsidenten des Landes im Bürgerkrieg. "Jeden Tag gibt es 50 bis 60 Tote", sagte Allawi dem britischen Sender BBC.

Der Irak befindet sich nach Ansicht des früheren Ministerpräsidenten des Landes im Bürgerkrieg. "Jeden Tag gibt es 50 bis 60 Tote", sagte Ijad Allawi dem britischen Sender BBC. "Wenn das kein Bürgerkrieg ist, dann weiß nur Gott, was ein Bürgerkrieg ist", sagte Allawi. Die USA und Großbritannien haben solche Äußerungen wiederholt zurückgewiesen. Erst am Samstag hatte der britische Verteidigungsminister, John Reid, während eines Irak- Besuchs gesagt, den Aufständischen gelänge es nicht, das Land in den Bürgerkrieg zu treiben.

Allawi sagte, er habe wiederholt auf die Gefahr eines Vakuums im Irak hingewiesen. Selbst wenn sich die verschiedenen politischen Gruppen auf eine Regierung der nationalen Einheit einigten, wäre dies keine "unmittelbare Lösung". Das Land drohe auseinander zu brechen und dann bestehe die Gefahr, dass sich das "Sektierertum" in der gesamten Region ausbreitet, warnte Allawi.

Auch US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld äußerte sich anlässlich des bevorstehenden Jahrestages des Kriegsbeginns zur Lage im Irak. In einem Zeitungsbeitrag lehnte Rumsfeld einen Truppenabzug erneut ab und zog Parallelen zu Deutschland kurz nach Kriegsende 1945. "Dem Nachkriegsirak jetzt den Rücken zuzukehren wäre etwa so, als würde man das Nachkriegsdeutschland den Nazis zurückgeben", schrieb Rumsfeld in der "Washington Post". Ein Truppenabzug hinterließe ein Machtvakuum, dass "Terroristen und Saddamisten " füllen würden.

Im Irak sind derzeit 133.000 US-Soldaten und 8000 britische Soldaten stationiert, um für Sicherheit zu sorgen und nationale Sicherheitskräfte auszubilden. Allerdings vergeht seit dem Sturz von Machthaber Saddam Hussein kaum ein Tag ohne Anschläge, Kämpfe, Geiselnahmen und Unruhen. Seit der Invasion kamen nach Angaben des US-Militärs mehr als 2300 US-Soldaten und mehr als 100 britische Soldaten ums Leben. Die Zahl der Opfer unter der Zivil-Bevölkerung wird auf bis zu fast 38.000 geschätzt.

Pilgerstrom nach Kerbala

Tausende von Polizisten und Soldaten haben indes den Strom der schiitischen Pilger nach Kerbela bewacht, wo an diesem Montag die Feierlichkeiten zum 40. Todestag des Imam Hussein ihren Höhepunkt erreichen. In Kerbela selbst, wo sich die Gläubigen um den Schrein des Imams versammeln, herrschte am Sonntag ein Fahrverbot. Hunderttausende von Pilgern hatten sich bereits am Freitag in Bagdad auf den Weg gen Süden gemacht, um die rund 100 Kilometer nach Kerbela zu Fuß zurückzulegen.

Die US-Armee berichtete, sie habe bei ihrer Operation Schwärmer im Nordirak eine bedeutende Menge von Waffen und Material zum Bau von Bomben beschlagnahmt. 60 Verdächtige seien gefangen genommen worden. Beobachter stuften die Waffenfunde jedoch als nicht sonderlich bedeutend ein. Nach US-Angaben hatten irakische Soldaten bereits am vergangenen Donnerstag in der Nähe von Kirkuk zwei mutmaßliche Extremisten nach einem Sprengstoffanschlag auf den Generalstabschef der irakischen Armee, General Babakir Sebari, festgenommen. Der General sei bei dem Angriff unverletzt geblieben, drei Soldaten hätten Verletzungen erlitten.