Donnerstag, 27. November 2008
Karsai frustriert über US-Attacken: Anschlag auf US-Botschaft
Ein Selbstmordattentäter hat in der Nähe der US-Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul mindestens drei Zivilisten mit in den Tod gerissen. Über ein Dutzend Menschen wurden bei dem Anschlag verletzt. Wie ein Sprecher des Innenministeriums in Kabul mitteilte, hatte der Selbstmordattentäter den in seinem Auto verborgenen Sprengsatz gezündet, als ein Militärkonvoi vorbeifuhr. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag.
Paris gegen Karsai-Forderung
Nur Stunden zuvor hatte Frankreich die Forderung des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai nach einem Zeitplan für den Truppenabzug aus Afghanistan abgelehnt. Die internationalen Truppen sollten Afghanistan ermöglichen, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, erklärte das Pariser Außenministerium. "Es erscheint uns heute wichtiger, diese Dynamik zu bewahren, als jetzt den Zeitplan eines umfassenden Rückzugs aufzustellen."
Frust über Luftangriffe
Zudem hatte sich Karsai frustriert über US-Luftangriffe auf Dörfer in Afghanistan geäußert. "Wir haben nicht die Macht, um die Flugzeuge zu stoppen", so Karsai. "Wenn wir es könnten, würden wir die Flugzeuge stoppen und herunterholen." Die Kritik Karsais ist ein weiteres Zeichen für die wachsenden Spannungen zwischen Afghanistan und dem Westen.
In den vergangenen Wochen hat Karsai den Westen wiederholt für die sich verschlechternde Sicherheitslage in Afghanistan verantwortlich gemacht. So sei es der Nato nicht gelungen, die Rückzugsräume der Taliban- und Al-Kaida-Kämpfer in Pakistan anzugreifen. Der Krieg müsse von den afghanischen Dörfern ferngehalten werden.
Tausende Zivilisten getötet
In diesem Jahr sind bei Gewalttaten in Afghanistan mindestens 4000 Menschen getötet worden, rund ein Drittel von ihnen waren Zivilisten. Trotz der Anwesenheit von 65.000 ausländischen Soldaten, die die 130.000 Mann starke afghanische Armee unterstützen, sind die Taliban in ihren Hochburgen im Süden und Osten erstarkt.
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