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Freitag, 06. April 2007

Weltweiter Klimawandel: Arme leiden am meisten

Der Klimawandel bedroht die Lebensgrundlagen von Milliarden von Menschen. Treffen werde dies vor allem die Ärmsten und Schwächsten, erklärten Fachleute aus 130 Ländern im zweiten Teil des UN-Klimaberichts. Sie verabschiedeten das alarmierende Dokument am Freitag in Brüssel nach zermürbendem und zum Teil nächtelangem Ringen um einzelne Formulierungen. Der Vorsitzende des Weltklimarates, Rajendra K. Pachauri, sprach dennoch von einem "guten Ergebnis".

Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen hatten einige Länder, darunter die USA, China, Russland und Saudi-Arabien, "sehr massiv" versucht, den Bericht abzuschwächen. Kritische Passagen wurden demnach gestrichen. Ein Abschnitt zu erwarteten Klimaschäden in Nordamerika komme nicht mehr vor. Im Entwurf hatte es zunächst geheißen, als Folge der Erderwärmung werde es auf dem Kontinent unter anderem Wirbelstürme, Trockenheit, Überflutungen und Brände geben. Dieser Passus sei auf Druck der USA gestrichen worden, berichteten Delegierte.

China habe in den Verhandlungen darauf bestanden, eine Textstelle zu entfernen, wonach gewisse Schäden mit "sehr hoher Wahrscheinlichkeit" eintreten würden. Anwesende Wissenschaftler seien daraufhin aufgestanden und hätten einen Erhalt dieses Hinweises verlangt. Daraufhin wurde eine Kompromissformel gesucht. In manchen Fällen hätten Wissenschaftler formale Protestnoten eingereicht und von "Vandalismus" an der Wissenschaft gesprochen.

Ganze Landstriche könnten verschwinden

"Die Folgen werden alle Kontinente zu spüren bekommen", sagte der stellvertretende Versammlungsleiter, Martin Parry. Allein in den Mündungsdeltas asiatischer Flüsse - wie in Bangladesch - werde der Anstieg des Meeresspiegels eine Milliarden-Bevölkerung treffen. Kleine Inseln und ganze Landstriche könnten von der Landkarte verschwinden. Mindestens ein Fünftel aller Tier- und Pflanzenarten sind den Forschern zufolge vom Aussterben bedroht. Besonders gefährdet seien die Mittelmeerregion, die Pole und Gebiete südlich der Sahara.

Für Deutschland erwartet Professor Wolfgang Cramer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, dass sich Insekten wegen der milderen Temperaturen ausbreiten. Krankheiten wie von Zecken ausgelöste Hirnhautentzündungen nähmen bereits zu. Ostdeutschland müsse sich auf trockenere Sommer und mehr Niederschläge im Winter einstellen. "Das heißt, Dürre und Hochwasserrisiko am selben Ort im selben Jahr", sagte Cramer, der an den Beratungen teilnahm und am Report mitgearbeitet hatte. Dies werde sich auch negativ auf Land- und Forstwirtschaft auswirken. Der Anstieg des Meeresspiegels gefährde Menschen an den Küsten.

Regierungsvertreter und Wissenschaftler hatten seit Montag in Brüssel darum gerungen, wie die auf gut 1.500 Seiten dargelegten wissenschaftlichen Klima-Erkenntnisse auf eine etwa 20-seitige "Zusammenfassung für politische Entscheider" verkürzt werden können. Der Report soll die Auswirkungen des Klimawandels auf die einzelnen Regionen der Erde zeigen.

Krankheitserreger profitieren von höheren Temperaturen

"Fluten, Wirbelstürme, Dürre- und Hitzeperioden werden immer mehr Menschen gefährden", sagte Parry. Ohnehin schon wasserarme Regionen in Afrika könnten vollends verdorren. "Auch Unterernährung wird zu einem immer größeren Problem." Letztlich müssten sich Milliarden von Menschen neue Lebensräume suchen. Krankheitserreger dagegen profitieren von höheren Temperaturen. Einer der 62 Autoren des ersten Berichtsentwurfs für Politiker, Osvaldo Canziani, warnte vor der Ausbreitung von Malaria und Gelbfieber.

Arme Länder seien vom Klimawandel besonders betroffen, da sich die Menschen dort gegen die Folgen nicht schützen könnten, sagte Parry. Die reicheren Staaten müssten diesen Menschen helfen. Sie bräuchten Bildung und bessere Einkommen, um ihre Lebensverhältnisse an die neuen Herausforderungen anpassen zu können. Auch der Ausstoß klimaschädlicher Emissionen müsse drastisch reduziert werden.

"Der Bericht ist ein klares Signal an die Politik, zu handeln", sagte der Geschäftsführer des UN-Sekretariats zum Klimawandel (UNFCCC), Yvo de Boer. Die Regierungschefs müssten sich auf verbindliche Vorgaben zum Klimaschutz einigen und nun ein Nachfolge-Abkommen für das Kyoto-Protokoll verabschieden.

Der dritte Teil des Berichts des UN-Klimarates (IPCC) wird im Mai in Bangkok veröffentlicht. Dabei geht es um politische Handlungsmöglichkeiten. Danach wird das Thema Klima beim Treffen der sieben reichsten Industrieländer und Russland (G8) im Ostseebad Heiligendamm im Juni wieder auf der Agenda stehen.

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