Offensive in Süd-WaziristanArmee nimmt wichtige Stadt ein
Bei ihrer Offensive gegen die Taliban nimmt die pakistanische Armee nach eigenen Angaben die Heimatstadt des Taliban-Kommandeurs Mehsud ein. Unterdessen kommen bei einem Anschlag in Islamabad mindestens drei Menschen ums Leben.
Bei ihrer Offensive gegen die Taliban in Süd-Waziristan hat die pakistanische Armee nach eigenen Angaben eine strategisch wichtige Stadt eingenommen. Die Eroberung von Kotkai, der Heimatstadt des Taliban-Kommandeurs Hakimullah Mehsud, sei von zentraler Bedeutung für den weiteren Vorstoß auf die Islamisten-Hochburg Sararogha, erklärten Geheimdienstmitarbeiter.
Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) warnte vor einer humanitären Krise in der Region. "Im Moment sprechen wir noch nicht von einer Katastrophe, aber es gibt eine Notsituation, auf die wir reagieren müssen", sagte die Sprecherin des UNHCR in Islamabad, Ariane Rummery. Allein in der vergangenen Woche seien 32.000 neue Flüchtlinge registriert worden. Hinzu kämen die 80.000 Menschen, die Süd-Waziristan bereits seit Mai verlassen hätten.
USA erfreut
US-Verteidigungsminister Robert Gates begrüßte die Offensive, sagte aber, es sei zu früh, von einem Erfolg zu sprechen. Die USA hatten sich zuletzt unzufrieden über Pakistans Bemühungen geäußert, die Taliban auf seiner Seite der Grenze zu Afghanistan zu bekämpfen.
Seit Beginn der Offensive am Samstag seien 78 Extremisten und neun Soldaten getötet worden, teilte das Militär mit. Eine unabhängige Bestätigung dieser Zahlen gibt es nicht. Ausländische Journalisten haben keinen Zugang zu der Region. Die Offensive gilt als Test für die pakistanische Regierung, der immer weiter eskalierenden Gewalt im Land Herr zu werden.
Bei der Einnahme von Kotkai wurden Geheimdienstangaben zufolge Waffen und Sprengstoff sichergestellt. Der aus Kotkai stammende führende Taliban-Kommandeur Mehsud wird auch als "Mentor der Selbstmordattentäter" bezeichnet.
In Süd-Waziristan kämpfen etwa 28.000 Soldaten gegen schätzungsweise 10.000 Taliban. Das bergige und schwer zugängliche Grenzgebiet zu Afghanistan gilt als Zufluchtsort von Extremisten. Experten zufolge trifft die pakistanische Armee bislang auf weniger Widerstand als erwartet. Allerdings wird mit schweren Gefechten gerechnet, wenn der Vorstoß die bewaldeten Berggebiete erreicht. Wegen der Kämpfe sind mehr als 100.000 Menschen auf der Flucht.
Tote bei Anschlag in Islamabad
Bei einem von zwei Selbstmordattentätern verübten Anschlag sind in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. Knapp 30 weitere Menschen wurden verletzt, als sich die Attentäter auf dem Gelände der Internationalen Islamischen Universität in die Luft sprengten.
Der erste Anschlag habe sich in einem Café ereignet, das ausschließlich von Studentinnen besucht wird, berichtete der Sender Geo TV. Wenige Minuten später habe es in der Fakultät für islamische Rechtslehre (Scharia) eine zweite Explosion gegeben. An der renommierten Scharia-Fakultät, die für ihre scharfe Kritik an der radikal-islamischen Ideologie der Taliban bekannt ist, studieren auch zahlreiche Ausländer. Bislang bekannte sich niemand zu der Tat.
Pakistan war in den vergangenen Wochen von einer blutigen Terrorserie erschüttert worden, bei der insgesamt mehr als 160 Menschen ums Leben gekommen waren. Zu fast allen Anschlägen hatte sich Mehsuds Bewegung "Tehrik-e-Taliban Pakistan" bekannt.