Politik

Strahlender MüllAsse-Räumung möglich

02.10.2009, 17:48 Uhr
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Blick in einen Asse-Schacht. (Foto: AP)

Laut Experten können die 126.000 Fässer radioaktiver Abfall aus dem maroden Endlager Asse herausgeholt werden. Dafür gibt es verschiedene Varianten. Eine Strahlenbelastung der Bergleute und der Bevölkerung kann nicht ganz verhindert werden.

Die 126.000 Fässer Atommüll im maroden Endlager Asse bei Wolfenbüttel können laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) angeblich ohne größere Gefährdung der Bergleute oder der Bevölkerung wieder aus dem ehemaligen Salzbergwerk zurückgeholt werden. Das BfS als Betreiber stellte in Hannover drei gutachterlich untersuchte Möglichkeiten für die Stilllegung vor. Es kündigte zugleich an, dass bis zum Jahresende die sicherste Lösung ermittelt und eine konkrete Empfehlung ausgesprochen werden soll. "Die letztendliche Entscheidung muss dann die Politik treffen", sagte BfS-Präsident Wolfram König.

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Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König. (Foto: dpa)

König wies darauf hin, dass alle Überlegungen über den Umgang mit den schwach- und mittelaktiven Abfällen unter dem Vorbehalt stehen, dass der schwankende Wasserzufluss in der Asse nicht dramatisch ansteigt: "Wir müssen immer mit Rückfallpositionen arbeiten."

Die drei Gutachten wurden den Anwohnern und Umweltorganisationen auf einer Veranstaltung in Schöppenstedt unweit der Asse vorgestellt. Nach Einschätzung der Experten ist neben der Rückholung der Abfälle auch deren Verbleib in dem Salzstock möglich, wenn die Grube mit Beton geschlossen wird. Daneben halten die Experten es auch für möglich, den Atommüll von jetzt rund 600 Metern umzulagern in Tiefen um die 1000 Meter. In diesem Falle würden wie bei einer Rückholung unter Tage fast ausschließlich ferngesteuerte Maschinen und Fahrzeuge eingesetzt, um die Strahlenbelastung so gering wie möglich zu halten.

Begleute belastet

Im Falle der Rückholung würde zudem über Tage ein Zwischenlager nötig. Bei einer hundertprozentigen Rückholung müssten die 126.000 Fässer Abfall in das noch im Bau befindliche Endlager Schacht Konrad in Salzgitter gebracht werden. Geprüft wird laut König auch eine Kombination verschiedener Optionen: "Wir haben bislang keine Präferenz."

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Als Videoanimation werden die möglichen Schließungsoptionen des Atommülllagers gezeigt. (Foto: dpa)

Für die von vielen Anwohnern und Umweltorganisationen bislang befürwortete Rückholung des Abfalls haben die Gutachter vier Varianten entwickelt. Binnen drei bis vier Jahren könnten bei den beiden ersten Varianten 70 oder 92 Prozent des radioaktiven Inventars geborgen werden.

Eine hundertprozentige Rückholung wird in den Varianten drei und vier auf etwa acht bis 15 Jahre eingeschätzt. Allerdings wird gegenwärtig die Standsicherheit des alten Bergwerks nur bis zum Jahr 2020 garantiert. Je nach Rückholungsvariante werden laut Gutachten die Grenzwerte für die Strahlenbelastung bei den Bergleuten bis zu 50 und bei der Bevölkerung im Umfeld bis zu 27 Prozent ausgeschöpft.

Das Bundesamt hatte nach einer langjährigen Serie von Negativschlagzeilen zum 1. Januar die Aufgabe des Betreibers vom Münchener Helmholtz-Zentrum übernommen. Den Atomkraftgegnern gelten die immer neuen Probleme in der Asse als Beleg dafür, dass auch der Gorlebener Salzstock ungeeignet ist als Endlager für hoch radioaktiven Müll.

Quelle: AFP