Archiv

Strahlende ZukunftAtomlobby wittert Morgenluft

22.11.2005, 17:31 Uhr

Am Tag der Kanzlerwahl hat die deutsche Atomlobby an ihr Begehren einer längeren Nutzung der Atomkraft erinnert.

Am Tag der Kanzlerwahl hat die deutsche Atomlobby an ihr Begehren einer längeren Nutzung der Atomkraft erinnert. "Es gibt keinen Grund, aus der Kernenergie auszusteigen", sagte das Vorstandsmitglied der RWE Power AG, Gerd Jäger, am Dienstag beim Energietag in Berlin. Jäger erinnerte an die Standards der Argumentation, dass im Falle eines Ausstiegs aus der Kernkraft die Ziele des Abbaus an Kohlendioxid verfehlt und damit Investitionskosten und Strompreise weiter steigen werden. Auch der Weltenergierat (WEC) und andere Fachleute forderten angesichts einer rasant steigenden weltweiten Energienachfrage eindringlich einen breiten Mix aller Energieträger einschließlich Atom- und Kohlekraft.

"Haltet alle Energie-Optionen offen", empfahl WEC-Präsident Andr Caill. "Angesichts von 2 Milliarden Menschen ohne Zugang zu Energie ist diese Herausforderung anders nicht zu lösen", mahnte er. Die Prognosen für den Zuwachs des globalen Energiebedarfs reichten bis 50 Prozent im Jahr 2030. Wichtig sei eine Prüfung aller Alternativen zu den jeweiligen Bedingungen vor Ort. "Allein in China wird in den kommenden 15 Jahren - Energiesparmaßnahmen eingeschlossen - mit mindestens einer Verdoppelung des Energieverbrauchs gerechnet."

Jürgen Stotz, Präsident des Deutschen Nationalen Komitees (DNK) des WEC, und Ausrichter des Energietages, forderte auch mehr Anstrengungen beim Energiesparen und beim Ausbau Erneuerbarer Energien. "Auf absehbare Zeit wird die Hauptlast jedoch weiter bei den fossilen Energieträgern Öl, Gas und Kohle liegen müssen. "Mehr Energie von allem", müsse die Leitschnur sein. Die EU arbeitet an einem energiepolitischen Grünbuch, das sie im nächsten Jahr vorlegen werde, berichtete Andris Kesteris, Kabinettschef von Energiekommissar Andris Piebalgs. Im Januar wollten einige Kommissare, darunter Piebalgs und Industriekommissar Günther Verheugen den Prozess vorantreiben. Dringend zu harmonisieren seien die Förderbedingungen.

Die Union hatte bei den Verhandlungen mit der SPD eine Ausdehnung der Laufzeiten von Atomkraftwerken (AKW) nicht durchsetzen können. Deshalb könnten die Atomausstiegsvereinbarungen aus dem Jahr 2000 "nicht geändert werden", heißt es im Koalitionsvertrag. RWE-Manager Jäger erwartet nun, "dass wir für unsere Branche eine sachlichere Debatte hinkriegen. Auch da möge uns die Ausbildung unserer Kanzlerin helfen", spielte er auf ihre frühere Tätigkeit als Physikerin an. Die Forderung nach AKW-Abschaltungen könnte eines Tages bereut werden, denn "Versorgungssicherheit kann man nicht hoch genug hängen." RWE habe in den letzten Jahren in das AKW Biblis über 500 Millionen Euro in die Modernisierung investiert. Die Anlage entspreche damit allen Sicherheitsanforderungen. Die Politik müsse dies den Bürgern sagen.

Gemäßigter äußerte sich der Generalbevollmächtigte des Energiekonzerns EnBW, Jürgen Hogrefe. Auch er sprach sich für die Kernenergie-Option aus, erklärte aber: "Wir haben die Ausstiegs-Vereinbarung freiwillig unterschrieben. Und diese Vereinbarung müssen wir erstmal akzeptieren." Zweifellos liege in Erneuerbaren Energien "die Zukunft".