Sonntag, 15. August 2010
Zukunft ohne Zivis: Ausbau kostet 200 Millionen
Die Bundeswehr mag auf die Wehrpflichtigen verzichten können, viele Sozialeinrichtungen können es auf die Zivildienstleistenden nur schwer. Sie müssen nun Freiwillige finden, die einspringen. Das kostet.Um bei einer Abschaffung der Wehrpflicht den Wegfall Zivildienstleistender im sozialen Bereich auszugleichen, sind nach Berechnungen von Wohlfahrtsexperten mehr als 200 Millionen Euro pro Jahr nötig. Wie der "Focus" berichtete, sind nach Schätzungen des zuständigen Abteilungsleiters beim Paritätischen Gesamtverband, Thomas Niermann, allein für den dann notwendigen Ausbau des Freiwilligen Sozialen Jahres von heute 30.000 auf 60.000 Teilnehmer 80 bis 100 Millionen Euro nötig. Hinzu kämen weitere Freiwilligendienste.
Da zurzeit aber schon 450 Millionen Euro pro Jahr in den Zivildienst flössen, sei dessen Abschaffung "für den Bundesfinanzminister immer noch ein gutes Geschäft", sagte Niermann. Freilich müsste auch die Werbung für soziales Engagement steigen und es bliebe ungewiss, wie viele junge Menschen sich noch darauf einließen.
Mehr als 60.000 Zivildienstleistende wären zu ersetzen, die im Durchschnitt dieses Jahres noch im Einsatz sind. Fast die Hälfte von ihnen arbeitet in der Pflegehilfe und in Betreuungsdiensten. Wollte man sie allein in diesem Sektor durch reguläre Kräfte der untersten Bezahlungs- und Qualifikationsstufe ersetzen, wie es die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordert, ergäbe das ein Gehaltsvolumen von jährlich rund 500 Millionen Euro.
AFP
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