Freitag, 21. August 2009
Neue Spur im Mordfall Buback: Beckers Computer beschlagnahmt
Fahndungsfoto von Becker aus den 70er-Jahren.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Das hat die Deutsche Presse-Agentur dpa aus Sicherheitskreisen erfahren. Die Wohnung der 57-Jährigen war am Donnerstag durchsucht worden, nachdem eine neue DNA-Analyse den Verdacht verstärkt hatte, Becker könnte an der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seiner beiden Begleiter im April 1977 in Karlsruhe beteiligt gewesen sein. An den damaligen Bekennerschreiben der Roten Armee Fraktion (RAF) wurde Genmaterial entdeckt, das nach einem neuen Gutachten eindeutig von Becker stammt.
Nach Informationen der dpa hat allerdings nicht die DNA-Spur den unmittelbaren Ausschlag für die Wohnungsdurchsuchung gegeben, sondern eine Telefonüberwachung. Aus den abgehörten Gesprächen könnten sich demnach Anhaltspunkte darauf ergeben haben, dass auf den Computern Hinweise auf eine mögliche Beteiligung Beckers am Buback-Mord gespeichert sind. Die Geräte müssen nun zunächst ausgewertet werden.
Nach Angaben der Behörde hat das Kriminaltechnische Institut des Bundeskriminalamts (BKA) Anhaftungen an mehrere Briefumschlägen untersucht, in denen eine Woche nach dem Attentat in Karlsruhe die Bekennerschreiben verschickt worden waren. Nach einem Gutachten vom Februar bestehe "kein Zweifel, dass die Beschuldigte die Verursacherin der Anhaftungen ist", heißt es in einer Mitteilung. Bei Spuren direkt auf zwei Bekennerschreiben, so habe ein weiteres Gutachten ergeben, könne Becker als Verursacherin nicht ausgeschlossen werden. Die Bundesanwaltschaft habe wegen der neuen Verdachtsmomente in den letzten Monaten eine Reihe von verdeckten Ermittlungsmaßnahmen veranlasst.
Zunächst entlastet
Mehr als 30 Jahre nach dem Mord an Buback und seinen beiden Begleitern am 7. April 1977 haben die Ermittlungen damit eine überraschende Wende genommen. Im Juli des vergangenen Jahres hatte eine DNA-Untersuchung die Ex-Terroristin, gegen die seit April 2008 ermittelt wird, zunächst entlastet: Spuren an einem Motorradhandschuh, einem Helm und einer Jacke, die nach der Tat gefunden wurden, stammten definitiv nicht von ihr.
Michael Buback, Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts, hatte Becker aber immer wieder als mögliche Todesschützin genannt. Er stützte sich dabei unter anderem auf Zeugen, die auf dem Tat-Motorrad eine zierliche Person wie Verena Becker gesehen haben wollen.
Als unmittelbare Täter galten Christian Klar, Knut Folkerts sowie der - wegen schwerer Verletzungen nicht verurteilte - Günter Sonnenberg, als Rädelsführerin wurde Brigitte Mohnhaupt verurteilt. Bisher haben alle Beteiligten aber hartnäckig geschwiegen, auch zur Frage, wer damals geschossen hat.
Becker war einen Monat nach dem Mord an Buback zusammen mit Sonnenberg im süddeutschen Singen festgenommen worden; das Paar war im Besitz der Tatwaffe. Ein Ermittlungsverfahren gegen sie war Anfang der 80er Jahre aber eingestellt worden. Wegen der Schießerei bei ihrer Festnahme wurde Becker zu lebenslanger Haft verurteilt. 1989 wurde sie begnadigt.
dpa
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