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Politik

Mittwoch, 08. Juli 2009

1000 Seiten Sauerland-Protokolle: "Beeindruckende" Aussagen

Im sogenannten Sauerland-Prozess spricht der Angeklagte Adem Yilmaz (l) mit seinem Anwalt Karl Engel.

Im sogenannten Sauerland-Prozess spricht der Angeklagte Adem Yilmaz (l) mit seinem Anwalt Karl Engel.
(Foto: dpa)

Mit umfangreichen Geständnissen haben die mutmaßlichen Sauerland-Terroristen die Justiz überrascht. Die Aussagen seien "sicher umfassender, als man zu Beginn dieser Vernehmungsprozedur erwarten konnte - deutlich mehr", sagte der Vorsitzende Richter am Düsseldorfer Oberlandesgericht, Ottmar Breidling. Bis zum Ende der Woche würden die Vernehmungen formell abgeschlossen. Die Protokolle hätten dann wohl einen Umfang von mehr als 1000 Seiten. Er sei "beeindruckt" von dem Inhalt, so der Richter. Es handele sich um "sehr umfassende geständige Einlassungen", sagte Breidling. Die Aussagen der Islamisten sollen nach der Sommerpause ab dem 10. August verlesen werden.

Angeklagte gestehen umfassend

Der Angeklagte Daniel Schneider wartet im Oberlandesgericht Düsseldorf auf den Beginn des Prozesstages.

Der Angeklagte Daniel Schneider wartet im Oberlandesgericht Düsseldorf auf den Beginn des Prozesstages.
(Foto: AP)

Die im Herbst 2007 festgenommenen Islamisten hatten sich Mitte Juni überraschend zu umfangreichen Geständnissen bereiterklärt werden seitdem getrennt in den Gefängnissen durch Beamte des Bundeskriminalamtes vernommen. Breidling hatte daraufhin einen Strafrabatt in Aussicht gestellt: "Dadurch, dass dies so frühzeitig geschehen ist, ist ein spürbarer Strafnachlass möglich." Eine ähnliche Aussagebereitschaft habe er nur bei dem Prozess gegen ein Mitglied der Leibgarde des Al-Kaida-Terroristenführers Osama bin Laden im Jahr 2003 erlebt, sagte Breidling weiter. "Das ist schon etwas sehr Beachtliches."

Der Angeklagte Fritz Gelowicz zu Beginn des Prozesstages am 8. Juli 2009.

Der Angeklagte Fritz Gelowicz zu Beginn des Prozesstages am 8. Juli 2009.
(Foto: AP)

Auch Bundesanwalt Volker Brinkmann zeigte sich beeindruckt vom Inhalt der Vernehmungsprotokolle. "Ich habe das in dieser Art und Weise noch nicht erlebt", sagte er. Die Angeklagten sollen eine Terrorzelle der Islamischen Dschihad Union (IJU) gebildet und in Deutschland verheerende Anschläge mit Autobomben geplant haben. Drei der Islamisten waren am 4. September 2007 im sauerländischen Oberschledorn von der Spezialeinheit GSG 9 festgenommen worden. Einer wurde später in der Türkei verhaftet. Der Prozess - eines der größten Verfahren seit RAF-Zeiten - war bislang auf zwei Jahre angelegt.

Letzter Verhandlungstag vor der Sommerpause

Der vierte der sogenannten Sauerland-Gruppe, der Angeklagte Atilla Selek (r).

Der vierte der sogenannten Sauerland-Gruppe, der Angeklagte Atilla Selek (r).
(Foto: AP)

Die Atmosphäre im Gerichtssaal entspannte sich am letzten Verhandlungstag vor der Sommerpause deutlich: So zogen die Verteidiger einen Großteil ihrer Widersprüche zurück. Breidling lobte erneut ihre Arbeit. Auch die Angeklagten saßen entspannt auf ihren Bänken. Allerdings rief Breidling sie später zur Ordnung, nachdem sich die Islamisten während der Verhandlung teilweise auf arabisch unterhalten hatten.

Im weiteren Verlauf des Prozesses sollen die Angeklagten, wenn es um ihre Geständnisse geht, jeweils im Zeugenstand vernommen werden. Sie müssen dann nicht mehr hinter der Panzerglasscheibe auf der Anklagebank sitzen. Der direkte Kontakt zum Gericht habe sich bei anderen Verfahren als hilfreich erwiesen, erklärte Richter Breidling.

hdr/dpa

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