Die Bildfolge zeigt eine Bewegungsstudie von zwei jungen Palästinensern: Israelische Sicherheitskräfte reagieren mit dem Abfeuern von Gummigeschossen auf vorangegangene Steinwürfe.
Dienstag, 05. Juni 2007
Unterschätzte Gummigeschosse: Bei Kopftreffern Lebensgefahr
Der Einsatz von Gummigeschossen hat in der professionellen Polizeiarbeit eine jahrzehntelange Tradition. Besonders wenn es darum geht, Demonstranten auf Distanz zu halten, werden zu diesem Zweck außerdem Wasserwerfer, Schlagstöcke und Tränengas eingesetzt. Meistens kann das zu schützende Objekt so von Demonstrantenangriffen frei gehalten werden.
Besonders die britische Polizei, deren Gewaltmonopol in Nordirland lange nicht anerkannt wurde, setzte seit 1968 Gummi- und Plastikgeschosse bei den Protestaktionen gewaltbereiter IRA-Sympathisanten ein. Dabei starben bis Ende der 80er Jahre mehr als 30 Menschen, weil die Munition technisch zunächst noch nicht ausgereift war und die Beamten keine Übung im Umgang mit den Geschossen hatten. Trotzdem sind Blutergüsse, blutige Wunden, irreparable Schäden an den Augen und auch Knochenbrüche an der Tagesordnung, wenn Sicherheitskräfte mit dem Abfeuern von Gummi-Projektilen auf Gewalttaten reagieren.
Wegen der schlechten Erfahrung mit den Geschossen im Nordirland-Konflikt, ist die Munition in den meisten europäischen Staaten verboten. In der Schweiz kommen so genannte Gummischrotwerfer zum Einsatz, die aber weniger wirksam und deutlich ungefährlicher sind. Auch gilt der Abschreckungseffekt unter Experten als geringer.
US-amerikanische Plastik-Munition
Gummigeschosse werden üblicherweise nicht eingesetzt, um Menschen zu töten, sondern zur Abschreckung von Gewalttätern. Verletzungen von Personen werden dabei in Kauf genommen.
Gummigeschosse fliegen mit bis zu 70 Metern pro Sekunde rund 50 Meter weit. Wenn das Ziel 10 bis 30 Meter vom Schützen entfernt ist, erleidet die getroffene Person wenigstens ein schmerzhaftes Hämatom, oftmals blutige Wunden und selten irreparable Schäden.
Natürlich kann aber ein Plastik- oder Gummigeschoss auch einen Menschen töten, besonders wenn beispielsweise die Halsschlagader getroffen wird und durch die Wucht des Aufpralls reißt. Deswegen werden die Scharfschützen der Polizei auch angewiesen, vorwiegend auf die Beine oder den Rumpf der Demonstranten zu schießen.
Die Munition ist nicht ungefährlich und wird aus Gummi oder anderen Kunststoffen hergestellt. Die Geschosse werden wie ganz normale Munition mithilfe von Gewehren oder Pistolen abgefeuert. Eingesetzt wird die Munition bei Demonstrationen, Gefängnisrevolten und Aufständen. In Amerika werden außerdem immer wieder verwirrte oder suizid-gefährdete Menschen mit Hilfe von gezielten Schüssen mit Gummimunition handlungsunfähig gemacht.
Von Henning Troschel
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