Dienstag, 06. Juli 2010
Kindesmissbrauch: Belgischer Kardinal wird verhört
Im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche muss der Vorsitzende der belgischen Bischofskonferenz, Godfried Kardinal Danneels, der Polizei Rede und Antwort stehen. Berichte, wonach Ermittler in dem Bischofspalast auch Dokumente und Fotos fanden, die im Zusammenhang mit dem Dutroux-Skandal stehen, dementiert die Kirche.
(Foto: AP)
Bei Ermittlungen wegen Kindesmissbrauchs in der katholischen Kirche hat die Polizei den früheren Vorsitzenden der belgischen Bischofskonferenz, Kardinal Godfried Danneels, angehört. Wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete, wurde der Kardinal als Zeuge befragt.
Die Polizei hatte Ende Juni den bischöflichen Palast des Erzbistums Brüssel-Mechelen und Danneels Privatdomizil durchsucht. Der Ermittler beschlagnahmten unter anderem den Computer des Kardinals. Bei den Untersuchungen der Justiz geht es darum, ob die katholische Kirche Belgiens in den vergangenen Jahren über Missbrauchsvorwürfe gegen Priester Bescheid wusste und entsprechende Erkenntnisse geheim gehalten hat.
Ein Sprecher der Kirche wies einen Bericht der Tageszeitung "Het Laatste Nieuwszurück, wonach Ermittler in dem Bischofspalast auch Dokumente und Fotos fanden, die im Zusammenhang mit dem Dutroux-Skandal stehen. Der Kinderschänder Marc Dutroux hatte in den 90er Jahren mehrere Mädchen zu Tode gefoltert. "Wir wissen nichts von diesen Akten", sagte ein Sprecher laut Belga.
Was wusste Kardinal Danneels?
Im April war der Bischof von Brügge, Roger Vangheluwe, wegen des sexuellen Missbrauchs eines Kindes zurückgetreten. Der 74-Jährige hatte eingeräumt, sich vor rund 25 Jahren wiederholt an einem Jungen vergangen zu haben - auch noch, als er bereits Bischof war. Danneels hatte damals gesagt, erst im April von dem Skandal informiert worden zu sein.
Das Erzbistum Mechelen-Brüssel ist Zentrum der katholischen Kirchenprovinz Belgien. Erzbischof André-Joseph Léonard ist seit Januar Oberhirte des Bistums als Nachfolger Danneels und auch Vorsitzender der belgischen Bischofskonferenz.
dpa
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