Freitag, 27. Februar 2009
"RWE spielt auf Zeit"
Biblis A steht still
Aus Hessen wird es für mehrere Monate keinen Atomstrom mehr geben: Der Kraftwerksblock A im hessischen Atomkraftwerk Biblis ist für eine mehrmonatige Revision abgeschaltet worden. Die Arbeiten an Deutschlands ältestem aktiven Meiler - Baujahr 1974 - können nach Angaben des Kraftwerksbetreibers RWE bis in den September dauern. Der 1976 fertiggestellte Block B ist bereits im Januar turnusgemäß zur Inspektion und Nachrüstung vom Netz genommen worden.
Eigentlich sollte Block A schon 2007 stillgelegt werden, wegen fehlerhaft eingebauter Dübel ging der Reaktor jedoch von Herbst 2006 bis Frühjahr 2008 von Netz, so dass sich die Laufzeit bis Herbst 2009 bis nach der Bundestagwahl verlängert. Für das endgültige Ende der Meiler sind die zugeteilten Strommengen maßgeblich.
Die Kosten für die Revision von Block A bezifferte RWE auf rund 70 Millionen Euro. Davon gingen gut 40 Millionen Euro in Nachrüstung und Modernisierung. Außerdem würden die Brennstäbe ausgewechselt.
RWE pokert um den Ausstieg
Kritiker werfen RWE vor, die Revisionsarbeiten absichtlich hinauszuzögern und damit auf Zeit zu spielen. Die vereinbarte Reststrommenge werde gestreckt, bis eine neue - möglicherweise bürgerliche - Bundesregierung im Amt ist, die auf Laufzeitverlängerung hoffen lässt. Gewählt wird am 27. September. Die CDU-geführte neue hessische Landesregierung hat zwar über die Laufzeiten nicht zu entscheiden, betont aber, sie wolle einen Energiemix mit Kernenergie.
Im vergangenen Jahr produzierte Biblis so viel Strom wie noch nie. Mit 20 Milliarden Kilowattstunden haben die beiden Blöcke laut RWE das beste Ergebnis ihrer Betriebsgeschichte erzielt. Die Jahresproduktion entspreche rund 50 Prozent des hessischen Stromverbrauchs.
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