Politik

"Nachhaltigkeitszuschlag" statt SoliBöhmer will Schulden tilgen

19.09.2010, 09:45 Uhr
16459918
(Foto: picture alliance / dpa)

Seit langem ist der Solidaritätszuschlag für Ostdeutschland in der Kritik. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Böhmer schlägt nun vor, ihn in einen "Nachhaltigkeitszuschlag" umzuwandlen. Er solle so lange erhoben werden, bis Deutschland seine Schulden vollständig abgebaut habe. Dies kann allerdings noch eine Weile dauern.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident

Wolfgang Böhmer (CDU) hat die Umwandlung des Solidaritätszuschlags in einen so genannten

Nachhaltigkeitszuschlag ins Gespräch gebracht. "Aus Solidarität mit den nachfolgenden

Generationen sollte der Zuschlag so lange erhoben werden, bis Deutschland seine

Schulden vollständig abgebaut hat", sagte Böhmer dem "Hamburger Abendblatt".

"Wir leben auf Kosten unserer Kinder und Enkelkinder. Wir haben die Verantwortung,

ihnen keine Lasten zu hinterlassen, für die sie in 50 oder 60 Jahren noch Zinsen

zahlen", sagte Böhmer. Er schlage daher vor, "den Solidaritätszuschlag

in Nachhaltigkeitszuschlag umzubenennen".

2tbv3659-jpg2507309551854971110
Wolfgang Böhmer: "Wir leben auf Kosten unserer Kinder und Enkelkinder." (Foto: dpa)

Der Osten habe sein Ziel,

wirtschaftlich auf eigenen Füßen zu stehen, noch nicht erreicht, fügte Böhmer hinzu.

Daher gebe es weiteren Aufbaubedarf. "Aber wir wollen nicht ewig Bittsteller

beim Länderfinanzausgleich bleiben. Wir wollen dem Westen nicht dauernd zur Last

fallen." Der Ministerpräsident attestierte den Ostdeutschen 20 Jahre nach der

Einheit "zu wenig Selbstbewusstsein". Böhmer sagte: "Wir im Osten

leiden darunter, dass wir eine höhere Arbeitslosigkeit haben und dass bei uns niedrigere

Tariflöhne gezahlt werden als im Westen. Statt zu leiden könnten wir aber auch nach

Osteuropa schauen. Dann würden wir feststellen, dass es uns in vielem besser geht."

Der Solidaritätszuschlag

wurde zur Finanzierung der deutschen Einheit 1991 erstmals eingeführt. Er beläuft

sich derzeit auf 5,5 Prozent der Einkommen- und Körperschaftssteuer.

Die Staatsverschuldung in Deutschland liegt bei rund 1,7 Billionen Euro oder rund 71 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nach einer Rekordverschuldung in diesem Jahr von 65,2 Milliarden Euro soll der Umfang neuer Kredite 2011 immer noch 57,5 Milliarden Euro betragen. Bis 2014 soll die Neuverschuldung auf 24 Milliarden gedrückt werden. Auch die Ausgaben werden gesenkt - von 307 Milliarden im Jahr 2011 auf 301 Milliarden Euro im Jahr 2014. Mit einem vollständigen ist allerdings nicht so bald zu rechen.

Quelle: ghö/dpa