Atomprogramm und LebensmittelCarter reist nach Nordkorea
Vier ehemalige Staats- und Regierungschefs, unter ihnen der ehemalige US-Präsident Carter, reisen nach Nordkorea. Sie hoffen auf ein Gespräch mit Machthaber Kim und seinem Sohn. Dabei will sich die Delegation auf das umstrittene Atomprogramm und die Lebensmittelkrise des Landes konzentrieren.
Der frühere US-Präsident
Jimmy Carter will mit einem Besuch im kommunistischen Nordkorea helfen, die Spannungen
auf der koreanischen Halbinsel zu verringern. Der Friedensnobelpreisträger und drei
weitere ehemalige Staats- und Regierungschefs trafen in Pjöngjang ein, wie die staatlichen
nordkoreanischen Medien berichteten. Sie seien nach der Ankunft mit Außenminister
Pak Ui Chun zusammengekommen. Details wurden zunächst nicht bekannt. Carter hofft
auch auf ein Treffen mit dem Militärmachthaber Kim Jong Il.
Südkoreas Außenminister Kim Sung Hwan äußerte sich
skeptisch zu den Friedensbemühungen der Delegation. "Wir haben keine zu hohen
Erwartungen", sagte Kim in Seoul. "Ich denke, es gibt keinen Grund für
Nordkorea und uns, einen Dialog über eine dritte Partei zu führen." Die Reise
der vier Altpolitiker sei rein privater Natur.
Der 86-jährige Carter, der vom früheren finnischen
Präsidenten Martti Ahtisaari, der ehemaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro
Brundtland und Irlands Ex-Präsidentin Mary Robinson begleitet wird, will am Donnerstag
auch in Seoul Gespräche führen.
Hoffnung auf Treffen mit Kim
Im Vorfeld hieß es, die vier Staatsleute hofften auf ein Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il und dessen Sohn und mutmaßlichem Nachfolger, . Es sei aber nichts im Vorfeld arrangiert worden.
Die Delegation will sich bei ihren Gesprächen auf Nordkoreas umstrittenes Atomwaffenprogramm, die Menschenrechtslage und die Bedürfnisse des isolierten Landes angesichts der Nahrungsmittelknappheit konzentrieren. Nach UN-Angaben sind sechs Millionen Nordkoreaner und damit ein Viertel der Bevölkerung dringend auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen. Er und seine Begleiter wollten möglichst dazu beitragen,
"die Spannungen zu verringern und den Parteien helfen, die Kernprobleme, darunter
die Denuklearisierung, zu lösen", hatte Carter angekündigt.
Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten sich seit dem Beschuss einer zu Südkorea gehörenden Insel im November durch die nordkoreanische Küstenartillerie deutlich verschärft. Seoul fordert von Pjöngjang unter anderem eine Entschuldigung für den Vorfall, bevor ein dauerhafter Dialog zustande kommen kann.
US-Bürger in nordkoreanischer Haft
Im August 2010 hatte Carter
bei einem Besuch in Nordkorea die Freilassung eines inhaftierten Landsmannes erreicht,
der wegen unerlaubter Einreise zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden war.
Seit rund einem halben Jahr ist in Nordkorea ein weiterer US-Bürger inhaftiert,
dem Pjöngjang bisher nicht näher bezeichnete "Verbrechen" vorwirft. Nach
Berichten südkoreanischer Medien war er wegen unerlaubter missionarischer Betätigung
festgenommen worden.
Unterdessen traf der chinesische Sonderbeauftragte
für die koreanische Halbinsel, Wu Dawei, zu Gesprächen über die Bedingungen für
eine Wiederaufnahme der Verhandlungen über das nordkoreanische Atomprogramm in Seoul
ein. Die sogenannten Sechs-Länder-Gespräche zwischen Nordkorea, den USA, China,
Südkorea, Japan und Russland sind seit Ende 2008 nicht mehr fortgesetzt worden.