Donnerstag, 22. Juli 2010
"Mit einer Träne im Herzen": Chávez bricht mit Kolumbien
Der langanhaltende Konflikt zwischen Venezuela und Kolumbien eskaliert. Der venezolanische Präsident Chávez bricht die Beziehungen zum Nachbarland ab und ordnet für das Grenzgebiet höchste Alarmbereitschaft an. Hintergrund ist der Vorwurf Kolumbiens, er dulde kolumbianische Rebellen auf seinem Staatsgebiet.Die Spannungen zwischen Venezuela und Kolumbien haben sich weiter verschärft. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez kündigte in Caracas an, die Beziehungen zu Kolumbien abzubrechen. Kolumbien hatte zuvor Venezuela offiziell bei einer Sitzung der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) in Washington vorgeworfen, 1500 kolumbianische FARC-Rebellen zu beherbergen.
„Wir haben keine andere Wahl, als um unserer Würde willen die Beziehungen zu unserer Brudernation Kolumbien vollständig abzubrechen“, sagte Chávez in einer direkt übertragenen Fernsehansprache. „Mit einer Träne im Herzen verkünde ich: Venezuela bricht ab sofort alle Beziehungen zur kolumbianischen Regierung ab.“
Kolumbien hatte in der vergangenen Woche erklärt, es habe Beweise dafür, dass sich vier Führer der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) und ein Vertreter der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) auf venezolanischem Staatsgebiet befänden.
Der venezolanische Staatschef wies die Vorwürfe aus dem Nachbarland zurück und nannte sie eine von den USA ausgehende Aggression. Die Vereinigten Staaten hätten den scheidenden Präsidenten Alvaro Uribe zu den Angriffen angestiftet. Die Regierung Uribe „war kriegerisch, lügnerisch und aggressiv“, sagte Chávez vor laufenden Kameras. Er warf Kolumbien vor, gemeinsam mit den USA einen Krieg gegen Venezuela anzetteln zu wollen.
Wortgefecht auf der OAS-Sitzung
Bei der Sondersitzung der OAS in Washington hatten sich die Botschafter beider Länder Wortgefechte geliefert. Der Kolumbianer Luis Alonso Hoyos forderte die Regierung in Caracas auf, sofort Maßnahmen gegen die linken FARC-Rebellen zu ergreifen, die seit mehreren Jahrzehnten Kolumbien terrorisierten.
Laut Hoyos befinden sich angeblich sogar 1500 Rebellen in Venezuela. Er sprach außerdem von rund einem Dutzend Rebellenlagern in dem Land und forderte die Einrichtung einer internationalen Kommission, die die Lager besuchen sollte. Bereits am Vorabend hatte die Regierung in Bogotá ihre Botschafterin aus Caracas abgezogen, um über die Lage zu beraten.
Venezuelas Botschafter bei der OAS, Roy Chaderton, wies die Beschuldigungen zurück und forderte seinerseits die Entsendung einer Kommission zur Untersuchung der US-Militärbasen in Kolumbien. Diese dienen nach Angaben der Regierungen von Kolumbien und den USA vor allem zur Bekämpfung der Drogenkriminalität in der Region.
Chávez hatte im vorigen Jahr die Handelsbeziehungen zum Nachbarland abgebrochen, weil es US-Truppen im Kampf gegen die Drogenmafia die Benutzung von Stützpunkten gestattete. Das sei eine direkte Bedrohung Venezuelas, erklärte Chávez damals. In seiner Fernsehansprache am Donnerstag äußerte er zugleich die Hoffnung auf eine Verbesserung des Verhältnisses unter dem neuen kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos, der sein Amt am 7. August antritt. .
rts/dpa/AFP
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