Dienstag, 22. Juli 2008
U-Boote, Panzer, Raketen, Bomber: Chvez kauft in Moskau ein
Der venezolanische Präsident und US-Kritiker Hugo Chvez hat in Russland weitere Waffenkäufe angekündigt und mit Kremlchef Dmitri Medwedew eine enge Energie-Partnerschaft vereinbart. "Wir wollen Frieden, aber müssen auch die Verteidigungskraft unseres Landes stärken", sagte Chvez laut der Agentur Interfax zum Auftakt seines zweitägigen Besuchs in Moskau. Laut Medien will Venezuelas Staatschef mit Russland bis Mittwoch über den Kauf von Diesel-U-Booten, Panzern und Luftabwehrraketen-Systemen vom Typ Tor-M1 verhandeln. Chvez bezeichnete Russland als "strategischen Verbündeten" im militär- und im energiepolitischen Bereich.
Die Zusammenarbeit mit Russland könne die Souveränität Venezuelas garantieren, die momentan von den USA bedroht werde, sagte Chvez. Im Beisein der beiden Staatschefs unterzeichneten die Vertreter des venezolanischen Ölkonzerns PDVSA sowie die russischen Energieunternehmen Gazprom, Lukoil und TNK-BP vier Kooperationsverträge, unter anderem für Bohrungen in Venezuela. Moskau und Caracas vereinbarten zudem die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zur Verarbeitung von Energieträgern.
Gründung einer gemeinsamen Bank
Auf dem Programm stand zudem eine engere Kooperation im Finanzsektor. Moskau und Caracas arbeiten seit mehreren Jahren an der Gründung einer gemeinsamen Bank. Nach Angaben von Medwedew wurde bei dem Treffen mit Chvez ferner über den Bau eines Eisenbahnnetzes in Venezuela und ganz Südamerika gesprochen.
Venezuela gilt als größter und wichtigster Käufer russischer Rüstungsgüter in Lateinamerika mit einem Volumen von bisher vier Milliarden US-Dollar (2,52 Milliarden Euro). Die geplanten neuen Verträge belaufen sich auf weitere zwei Milliarden Dollar, wie die Zeitung "Kommersant" berichtete. Dabei gehe es unter anderem um 20 Abwehrsysteme für Kurzstreckenraketen und um 12 schwere Flugzeuge für Militärtransporte vom Typ Iljuschin Il-76 und Il-78 sowie um 24 Kampfbomber des Herstellers Suchoi.
Öl finanziert Waffen
Die Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta" berichtete unter Berufung auf russische Militärkreise, dass Chvez seine Armee in den kommenden Jahren mit modernen Waffensystemen ausrüsten und dafür mehr als 30 Milliarden Dollar ausgeben wolle. Mit den Abwehrsystemen sollten vor allem Industrieanlagen und die Armeestützpunkte vor Luftangriffen geschützt werden. Die Investitionen stammen vor allem aus den Erlösen venezolanischer Ölverkäufe.
Russland hatte laut Medien seit 2005 unter anderem bereits 50 Hubschrauber, 24 Kampfjets vom Typ SU-30MK2 und 100 000 Kalaschnikow-Maschinenpistolen an das Land verkauft und Caracas eine Lizenz für die Produktion der Kalaschnikow AK-103 gewährt. Der Agentur Itar-Tass sagte Chvez, dass er sich auch für russische Panzer interessiere. An diesem Mittwoch will Chvez seinen international isolierten Kollegen Alexander Lukaschenko in Minsk treffen, um über den Bau weißrussischer Agrarmaschinen in Venezuela und über die Energie-Zusammenarbeit beider Länder zu verhandeln.
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