Politik

Papst blickt auf skandalreiches Jahr"Der Sünde bewusst"

20.12.2010, 14:12 Uhr

Beim traditionellen Weihnachtsempfang der Kurie im Vatikan blickt der Papst auf ein turbulentes Jahr 2010 zurück und spricht von einem "Aufruf zur Wahrheit und Erneuerung", vor allem vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals. Doch - wie gewohnt - kehrt Benedikt XVI. nicht nur vor der eigenen Tür, sondern auch vor der des "Zeitgeistes".

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Benedikt XVI. (Foto: dpa)

Papst Benedikt XVI. hat die Weihnachtswoche mit einem Rückblick auf den Skandal um sexuellen Missbrauch durch Priester der katholischen Kirche eröffnet. Das unvorstellbare Ausmaß des Skandals habe Papst und Kirche erschüttert, erklärte Benedikt in Rom auf dem traditionellen Weihnachtsempfang für die Kurie. Minderjährige seien tief verletzt und für ihr ganzes Leben geschädigt worden. Die Kirche müsse diese Vorkommnisse als einen Aufruf zur Wahrheit und zur Erneuerung nutzen, machte der Papst deutlich. Der Missbrauchsskandal in mehreren Ländern, darunter Deutschland, hatte den Vatikan in eine tiefe Krise gestürzt.

"Wir müssen uns fragen, was wir tun können, um das geschehene Unrecht so weit wie möglich wieder gutzumachen", forderte Benedikt. "Wir müssen eine neue Entschlossenheit im Glauben und Guten finden. Wir müssen zur Buße fähig sein. Wir müssen uns anstrengen, alles nur mögliche zu tun in der Vorbereitung auf das Priestertum, damit eine solche Sache nicht mehr passieren kann." Die Kirche sei sich bewusst, dass das, was Priester begangen hätten, eine besonders schwere Sünde sei. Daraus leite sich die entsprechende Verantwortung der Kirche ab.

"Zeichen der Zeit"

Benedikt prangerte in seiner Rede vor der Kurie, also den Vertretern der kirchlichen Verwaltung, erneut auch den Markt der Kinderpornografie und des Sextourismus an. Irgendwie scheine Kinderpornografie von der heutigen Gesellschaft immer mehr als eine normale Sache angesehen zu werden, kritisierte er. Der Papst nannte die psychologische Zerstörung von missbrauchten Kindern, die damit zu einer Ware degradiert würden, "ein furchtbares Zeichen der Zeit."

Der Sextourismus gefährde in der Dritten Welt eine ganze Generation, und die zunehmende globale Verbreitung von Drogen sei "ein beredter Ausdruck der Diktatur des Mammons, der den Menschen pervertiert", sagte Benedikt. Für die Entwicklung machte er erneut einen Werteverlust seit den siebziger Jahren verantwortlich. So sei Pädophilie "theoretisiert" worden als Sache, die dem Menschen und dem Kinde völlig konform sei.

Quelle: dpa